Aichach, Schwaben, Tandlmarkt 6

Im Zuge der unterkellerten Neubebauung einer ca. 500 qm großen Parzelle in der Aichacher Altstadt kam es, nach einer vorhergehenden Ausschreibung nach den Richtlinien des BLfD, Außenstelle Thierhaupten zu einer bauvorgreifenden Ausgrabung durch die Firma ReVe Büro für Archäologie, Bamberg.

Das Landesamt selbst führte zuvor eine Sondage durch, die das Vorhandensein archäologisch relevanter Befunde als Grabungsbegründung nachwies. Das auf der Parzelle bis dato stehende ehemalige Kaufhaus Schmederer, das nur an der Grundstückschmalseite in Richtung Tandlmarkt unterkellert war, wurde vor Grabungsbeginn bis auf vier Punktfundamente und ein Fahrstuhlfundament abgebrochen.

Die Parzelle "Tandlmarkt 6" mit der Flurstücksnummer 23/5 liegt am Rande der Altstadt in unmittelbarer Nachbarschaft der spätmittelalterlichen Stadtmauer. Sowohl bei einer Baustellenbeobachtung 1986 auf dem gegenüberliegenden Marktplatz (Flstnr. 13), als auch während einer Grabung des Landesamtes beim Neubau des Pflegeheims beim alten Spital (Flstnr. 24 u. 25) konnte die spätmittelalterliche Stadtmauer mit ihrem mehrphasigen doppeltem Grabensystem dokumentiert werden, so dass die Möglichkeit in Betracht gezogen werden musste, auf zahlreiche Befunde zur Stadtentwicklung und deren Befestigungsringes zu stoßen.

Unter der Fundstellennummer 7532/0117 wurde schließlich die Grabung vom 20.02.06. bis zum 30.03.06 mit einer einwöchigen Pause Anfang März in nur 23 Arbeitstagen innerhalb des veranschlagten Zeitfensters durchgeführt.

Ergebnisse

Umfassende und komplexe Ergebnisse wie datierte Grundrisse, Funktionszuweisungen der Gebäude oder eine Einbindung der aufgedeckten Befunde in die Stadtgeschichte kann sicherlich erst eine abschließende Aufarbeitung des Gesamtmaterials nach einer genauen Sichtung aller Funde erbringen. Schon an dieser Stelle können jedoch einzelne Erkenntnisse vorgestellt werden, die eine Siedlungsgenese andeuten und sich in einigen Fällen in einem weiteren Schritt mit historischen Fakten verknüpfen lassen.

Geht man bei der Befundvorstellung chronologisch vor und beginnt mit den jüngsten Bebauungsspuren auf der Parzelle, so fallen natürlich zunächst die großen Betonbaukörper der Punktfundamente, des Fahrstuhlschachtes und einzelner Streifenfundamente auf. Im gleichen Bauhorizont befanden sich jedoch auch Backsteinmauerzüge die ins frühe 20. Jh. zu datieren sind und dem alten Kinogebäude zuzuordnen sind, dessen Plan in Kopie dem Bericht beigegeben ist.

Interessanter wird es, wenn auf demselben Niveau Steinsetzungen aufgedeckt werden, die mit dem gerade abgebrochenen Gebäude nicht in Zusammenhang stehen. So fand sich auf der Westhälfte des Untersuchungsbereiches eine Backsteinpflasterung (Bef. 131, 132, 133), die mit einer eingetieften Rinne versehen war und entweder einen West-Ost verlaufenden Weg oder eine Toreinfahrt in den rückwärtigen Parzellenteil bildete. Die in diesem Bereich geborgene Keramik weist in das 18./19. Jh., wobei es sich jedoch nur um Streufunde aus den massiven Bauschuttauffüllungen handelt, die das gesamte Grundstück überziehen.

Ebenso hatte ein sehr großer Befundkomplex, der aus mindestens zwei quadratischen, backsteingemauerten Becken (Bef. 4 und 5) und einer massiven, mehrschaligen Abdichtung aus "mintfarbenem" Ton bestand (Bef. 6) keinen Bezug auf die archivalisch belegte Gebäudenutzung. Ob weitere gleichartige Becken zu dem Komplex gehörten, kann wegen der nördlich und südlich gelegenen Betonfundamente nicht eindeutig geklärt werden, doch gibt es Steinsetzungen (Bef. 22), die wenigstens noch ein weiteres Becken vermuten lassen.

Die Funktion dieser Anlage bleibt leider unklar. Beide Steinbecken waren mit nahezu sterilem Sand verfüllt, der ein wenig Fundmaterial des 20. Jh. erbrachte. Die mächtige Tonschicht kann eigentlich nur als Dichtpackung gedeutet werden, die ein Eindringen giftiger oder umweltgefährdender Substanzen in das Erdreich verhindern sollte. Technik und Material der Anlage sind nicht zur Datierung heranzuziehen, so sind dem Ausgräber vergleichbare Dichtungskonstruktionen, wenn auch kleiner, aus dem späten 18. Jh. aber auch aus den 30er Jahren des 20. Jh. bekannt. Möglicherweise handelt es sich lediglich um Standorte alter Öltanks im ehemaligen Heizungskeller.

Die zahlreichen Mauerbefunde die schon frühzeitig aufgedeckt wurden, lassen sich anhand der Baufugen, Stöße und Verzahnungen zu Befundgruppen zusammenfassen, welche sich wiederum durch das Kleinfundmaterial in Baugruben oder anziehenden Schichten grob datieren lassen.

Die Mauerzüge mit den Befundnummern 1, 2, 3 bilden einen, im Folgenden als A bezeichneten Baukörper. Die Mauern 8, 10 und 11 lassen sich zu einem Bau B zusammensetzen. Die Befunde 12, 13 und 14 bilden schon allein durch ihre gänzlich andere Mörtelkonsistenz eine als C bezeichnete Gruppe und mit den Mauerstümpfen Befund 7 und 9 findet sich der D genannte Rest eines Baukörpers in Schnitt 1.

Durch die in den Profilen dokumentierte Stratigraphie und einiges aus Baugruben geborgene Kleinfundmaterial ergeben sich erste Anhaltspunkte für die Datierung der Mauerzüge. Als wichtigstes Indiz erwies sich hierbei eine auf der gesamten Fläche angetroffene Kulturschicht (Bef. 100 und 32) die Fundmaterial des 12./13. Jh. enthielt. Auf dieser Schicht lag in der Zusammensetzung nahezu identisches, vor allem aber fundgleiches Material, dem zusätzlich lediglich ein geringer Anteil an Ziegelbruch und Mörtelbrocken beigemengt war, so dass es als umgelagerte Kulturschicht (Bef. 139 und 20), beziehungsweise Bauhorizont angesprochen werden kann. Von diesen Vorraussetzungen ausgehend erscheint eine vorsichtige, erste Datierung möglich. Demnach wären die Mauerzüge A und B in das 13./14 Jh. einzuordnen.

Der "Baukörper" C hingegen schneidet oder überdeckt Befunde des 17./18. Jh. (z.B. Bef. 18) und gehörte ins ausgehende 18. und frühe 19. Jh.

Die unter D zusammengefassten Mauerstümpfe, darunter ein Entlastungsbogen, werden wegen der keramischen Beifunde dem 16. Jh. zugeordnet.

Ein Blick auf das große Leitprofil (P 54) zeigt, das von den Mauern lediglich die Fundamentbereiche dokumentiert werden konnten, aufgehende Wände sind wegen der fehlenden Fußbodenhorizonte nicht anzusprechen. Bedingt durch die starke Überbauung kann darum auch kein Versuch unternommen werden, die Parzellenbebauung, Gebäudeformen oder Gebäudenutzung an dieser Stelle zu rekonstruieren.

Neben den Mauern lassen sich auch einige der anderen Befunde zu differenzierten Zeithorizonten zusammenfassen. Am auffälligsten sind sicherlich die drei sehr großen Gruben (Bef. 19, 36 und 37) in Profil 54. Dem Fundmaterial nach sind sie in der frühen Neuzeit verfüllt worden, wobei mindestens für die mittlere der Drei eine Auffüllung bereits im 17. Jh. wahrscheinlich ist. Alle drei Befunde sind bis in den anstehenden Boden hinein abgetieft und zeichnen sich durch beinahe senkrechte Wände aus. Diese steile Wandung zusammen mit der Größe und der regelmäßigen Form der Gruben, lassen darauf schließen, dass es sich um Keller gehandelt hat.

Ob die abgegangenen Wände aus Holz oder aus Stein waren, lässt sich am Befund nicht direkt erkennen. Da die mutmaßlich vorhandenen Kellerwände bis auf die unterste Befundgrenze hinab abgetragen wurden, scheint Holz als Baumaterial wahrscheinlicher, da ein "Rückbau" durch das Ziehen gebundenen Hölzer am Stück leichter zu bewerkstelligen sein dürfte, als der Abbruch Stein für Stein im statisch instabilen Erdreich der Auffüllschichten.

Dies alles ist jedoch rein spekulativ, ebenso wie die bauliche Verknüpfung der "Keller" mit den bereits erwähnten Mauerkomplexen.

In die gleiche Zeitstellung wie die Kellerverfüllungen gehört eine Befundgruppe aus zwei Pfostenlöchern (Bef. 15 und 16) und einem eingetieften Fass (Bef. 18) in der Südhälfte von Schnitt 1. Die drei Befunde könnten ein Hofareal an der Parzellengrenze markieren. Die Verwendung des Fasses, das sekundär mit Bauschutt und Ofenkeramik verfüllt war, ist aus dem Befund allein nicht abzuleiten, denkbar wäre eine Fasslatrine oder ein Wasserreservoir.

Unweit nördlich des Fasses mit seinen schwach erhaltenen Holzresten befand sich ein weiterer komplexer Holzbefund (Bef. 24). Es handelt sich hierbei um ein Rechteck von 1,50 x 2,20 m mit hölzernen Wänden und einem relativ ebenen Boden aus einer harten, leicht wannenförmig die Holzwände hinaufreichenden Kalkschicht (Bef. 53). Die kurzen Wände waren zumindest in der untersten Lage aus beinahe 20 cm breiten Balken gefertigt, die langen Wände aus Bohlen von drei bis vier cm Stärke und der Boden hatte nahezu die Qualität eines Kalkestriches. Auch hier bleibt die Funktion im Dunkeln, für eine Kalkgrube scheint die Konstruktion zu aufwendig und um einen hausinternen Kellereinbau zu rekonstruieren, fehlt zuviel von der aufgehenden Stratigraphie. Zur zeitlichen Einordnung bleibt über diesen leider fundleeren Komplex nur zu sagen, das er in die hochmittelalterliche Kulturschicht eingetieft ist und von der frühneuzeitlichen Grube Befund 36 geschnitten wird, so dass eine Datierung in das Spätmittelalter angemessen erscheint und sich auch mit der Zeitstellung der Funde in der Auffüllung (Bef. 23) deckt, die nach der Aufgabe des Komplexes in den Holzkasten eingebracht wurde.

Einen knappen halben Meter südlich der Holzkonstruktion, liefert das Profil 10 einen ersten Hinweis darauf, das vor der in Backsteinen ausgeführten Bebauung ein hölzerner Vorgänger existiert haben könnte. Hier fand sich direkt unter dem Steinfundament (Bef. 11) eine deutliche Pfostengrube (Bef. 50), die in die hochmittelalterliche Kulturschicht (Bef. 32) eingetieft war. Ob der Holzbefund (Bef. 24) etwas mit dieser Holzbauphase zu tun hat bleibt Spekulation, die zeitliche Einordnung hingegen stellt beide Befunde nebeneinander.

Neben der bereits erwähnten hochmittelalterlichen Kulturschicht (Bef. 100 und 32) fallen in den großen Profilen 54 und 56 verschiedene deutliche Horizonte auf. Direkt auf der Kulturschicht liegt eine mittelalterliche Bau- oder vielmehr Bauschuttschicht (Bef. 20 und 139), die mit ihren Bestandteilen von Backsteinbruch, Mörtelbrocken und Hüttenlehm die Umstellung von Holz zu Ziegel als Baumaterial im späten Hochmittelalter anzeigen könnte. Einige Auffüll- und Planierungsschichten darüber zeichnet sich dann ein Bauhorizont ab (Bef. 39, 94 und 138), der durch zahlreiches Kleinfundmaterial in das 14. / 15. Jh. datiert werden kann und vielleicht mit der Errichtung der großen Kellergruben und der dazugehörigen Bebauung in Zusammenhang steht.

Diese auffälligen und zudem noch datierbaren Schichten ermöglichen eine grobe zeitliche Einordnung der übrigen Befunde, selbst wenn diese mangels datierbarer Keramik aus sich heraus nicht zeitlich zu bestimmen sein sollten.

Neben den eindeutigen Baubefunden lassen sich drei Zeithorizonte zusammenstellen, die mit verschiedenen Befunden ihren Niederschlag in der Fläche gefunden haben.

Die in jedem Siedlungskontext auftretenden Gruben unterschiedlicher Größe und meist unidentifizierbarer Funktion sind auch bei dieser Grabung reichlich dokumentiert worden und verteilen sich auf sämtliche beobachteten Zeithorizonte. So entstammen die Gruben Bef. 77 und Bef. 79 dem 15. Jh. , die Gruben Bef. 59, 60, 63 und 83 dem 13. – 14. Jh. und die Gruben Bef. 63, 64 und 90 dem 12./13. Jh.

Das 12. Jahrhundert bildet gleichzeitig auch den ältesten Fundhorizont mit konkreten Siedlungsresten. Es handelt sich hierbei um eine Reihe von Stakenlöchern (Bef. 127 a-f), deren Verfüllung Goldglimmerkeramik enthielt. Parallel zu diesem Befund in einem Abstand von ca. 1,60 Meter befindet sich ein deutliches Wandgräbchen (Bef. 115) mit mehreren zugehörigen Pfostengruben (Bef. 114, 118, 121), aus deren Auffüllung ebenfalls Keramik des 12./13. Jh. stammt.

Während die eine Befundgruppe die südliche Parzellengrenze bestimmen helfen könnte, deutet die andere auf einen hochmittelalterlichen Holzbau in Pfostenbauweise mit Flechtwänden, für die die gefundenen Hüttenlehmbröckchen die Indizien liefern.

Die durch den Befund 127 angedeutete Parzellengrenze aus Schnitt 2, setzt sich in Schnitt 1 mit Befund 57 fort. Bemerkenswert ist hierbei, dass diese mittelalterliche Unterteilung nicht einmal zwei Meter von der heutigen Grenze entfernt verläuft, so dass der Schluss gewagt werden kann, die heutige Grundstücksstruktur gehe auf das 12./13. Jahrhundert zurück. Da wir uns mit dem untersuchten Grundstück innerhalb der spätmittelalterlichen Mauer befinden, ist sehr wohl möglich, dass bei der Stadtumwehrung an dieser Stelle auf bereits früher erschlossene Parzellen Rücksicht genommen wurde.

Zwar sind mit einigen über die Fläche verstreuten Gruben (Bef. 58, 82, 91) und eventuell sogar den Resten einer einfachen Feuerstelle (Bef. 69) auch vor- und frühgeschichtliche Befunde dokumentiert worden, doch ist deren Aufkommen und Aussagekraft zu dürftig, um guten Gewissens eine vorgeschichtliche Besiedelung zu rekonstruieren.

Zusammenfassung

Mit Abschluss der Untersuchung von 2006 am Tandlmarkt, dürfte der südöstliche Altstadtbereich vom Heilig-Geist-Spital bis hinter den Neubau der Stadtverwaltung zum bestuntersuchten Areal Aichachs geworden sein. Bereits 1986 wurde direkt auf dem Tandlmarkt die mehrphasige und tief gestaffelte Stadtbefestigung beim Tiefgaragenbau beobachtet und zumindest fotografisch dokumentiert. Auf der Südseite der aktuellen Maßnahme konnte diese Anlage 1991/92 bauvorgreifend, gründlich und fachgerecht untersucht und dokumentiert werden.

Zwar wurde diesmal die Mauer mit dem doppelten Wehrgraben auf der jüngst untersuchten Parzelle "leider" nicht tangiert, doch war es möglich einen detaillierten Blick auf die baulichen Reste innerhalb des Stadtberings zu werfen, ein Bereich der in den neunziger Jahren nur gestreift wurde.

So liegen Aichachs älteste Teile, sozusagen seine Wurzeln, bekanntermaßen im Nordwesten der Altstadt, im Bereich Botengasse, doch reicht die Bebauung auf der Parzelle Tandlmarkt 3, wenn wir die vor- und frühgeschichtlichen Befunde außer Acht lassen, doch immerhin in das 12. Jahrhundert zurück. Der Bereich Tandlmarkt, der bislang als spätmittelalterliche Stadterweiterung angesehen wurde, kann demnach also sehr wohl als Teil der hochmittelalterlichen Altstadt gelten.

Gleichzeitig kann damit ein weiteres "Mosaiksteinchen" in die Geschichte der Stadttopographie eingefügt werden. Bei der Untersuchung der Befestigungsanlagen im Bereich des Heilig-Geist-Spitals konnte ein älterer Graben dokumentiert werden, der von der Stadtmauer des 14. Jahrhunderts überbaut wurde, die Frage, ob er bereits in das 12. Jahrhundert zu datieren sei wurde kontrovers diskutiert, konnte aber mit dem gewonnenen Datenmaterial nicht abschließend beantwortet werden. Die dokumentierte Holzbauphase mit Parzellenbegrenzung des 12. Jahrhunderts innerhalb des von diesem Graben umschlossenen Areals erhärtet nun die frühe Datierung dieses ältesten Befestigungswerkes.

Auch die Beibehaltung alter Parzellenstrukturen, die am Südabschluss der Grabungsfläche zu beobachten war, spricht für ein lange gewachsenes Gefüge und gegen eine im Spätmittelalter "aus dem Boden gestampfte" Stadterweiterung.

Eine anfangs der Grabung aufgestellte Fehleinschätzung konnte im Verlauf der Auseinandersetzung mit der historischen Stadttopographie schnell berichtigt werden, so war der Tandlmarkt niemals, wie zunächst angenommen eine Ausfallstraße mit Stadttor gen Osten. Es handelte sich vielmehr um eine Sackgasse, die an einem Mauerturm endete und darum sucht man auch vergebens nach den Resten einer repräsentativen mittelalterlichen Bebauung.

Einen direkten und nachvollziehbaren Bezug zwischen archäologischem Befund und aufgezeichneten historischen Ereignissen konnte man in den aufgedeckten und dokumentierten, großen Profilen deutlich ablesen. In ihrer Stratigraphie fanden sich mächtige Gruben angefüllt mit Bauschutt voller Brandspuren, eingerissene und aufgefüllte Keller und immer wieder Holzkohle und verbrannte Ziegel, alles durchmengt mit Keramik des 17. Jahrhunderts. Nun gibt es einen häufig reproduzierten Stich der Stadt Aichach aus dem frühen 18. Jahrhundert der zeigt, dass unweit der Grabung, südöstlich des Spitals im 30 jährigen Krieg, am 24. Juni 1634 von den schwedischen Truppen des Generals Gustav Horn eine große Bresche geschossen wurde. Durch diese Mauerlücke gelang es dann die Stadt zu erstürmen und zu brandschatzen. Auf Jahre konnte sich Aichach damals von diesem Schlag nicht erholen und die Spuren der Verwüstung gaben noch heute ein beredtes Zeugnis hiervon.

Betrachtet man die dokumentierten Ergebnisse, die Steinbauten von der jüngsten Vergangenheit bis in das späte Mittelalter, die Reste der Holzbebauung des hohen Mittelalters und die Hinterlassenschaften der Frühgeschichte, so ist Aichachs Untergrund ein Archiv, das selbst an Stellen wo die Erwartungen gedämpft sind, einiges zu bieten hat. Trotz moderner Nutzung, Teilunterkellerung und tiefreichender Fundamente konnte unser Wissen um die Stadttopographie erneut erweitert werden. Eine Erkenntnis, die Einfluss haben sollte auf künftige Planungen und Maßnahmen in Aichach und anderen vergleichbaren Städten.

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