Bamberg, Hinterer Bach 5, Sanierung Privatanwesen

Bei den archäologischen Untersuchungen innerhalb des Gebäudes Hinterer Bach 5 in Bamberg konnten trotz der kleinen untersuchten Fläche eine Vielzahl von wichtigen Befunden untersucht und dokumentiert werden.

Die frühesten nachgewiesenen Siedlungsspuren bestehen aus Planierschichten und Laufhorizonten, die in das 10./11. Jahrhundert gehören könnten. Ein größerer Fundniederschlag und vielfältigere Besiedlungsspuren lassen sich frühestens ab dem 12. Jahrhundert feststellen.

Den Hauptbefund bilden die Reste einer mehrphasigen Ofenanlage, die einen gewerblich organisierten handwerklichen Betrieb auf der Parzelle Hinterer Bach 5 im 13. Jahrhundert belegen. Der erste Ofen war mit einiger Wahrscheinlichkeit ein Lehmkuppelofen mit einem Gerüst aus Holzstaken. Von dieser frühen Ofenanlage fanden sich neben Stakenlöchern und verziegelten Lehmresten insgesamt drei Ofentennen, wobei es unklar bleiben muß, ob der unterste Ofenbereich bei der Ausgrabung erfaßt wurde. Ein weiteres Abtiefen war nicht möglich. Die dem Lehmkuppelofen nachfolgende Anlage bestand aus einem Steinofen, von dem sich Reste der Ofenwandung und der Tenne fanden. Dieser Ofen hatte eine separate Schüröffnung im Norden und wahrscheinlich weitere Ofenöffnungen zum Einstellen des Schmelzguts. Hinweise, wie die Raumtrennung durch eine Flechtwerkwand, deuten in dieser Phase der Nutzung auf eine Zweiteilung des Werkstattbereiches hin.

Am ehesten handelt es sich um eine Glasmacherwerkstatt. Möglicherweise stand diese in Verbindung mit der Dombauhütte auf dem Domberg oder aber mit dem hier überlieferten Stadthof der Ebracher Zisterzienser. Falls es sich tatsächlich um einen Glasschmelzofen gehandelt hat, dürfte er nicht nur zu den älteren mittelalterlichen Werkstätten in Deutschland zählen, sondern auch einen sehr seltenen Nachweis für Glasmachergewerbe innerhalb mittelalterlicher Städte darstellen. Darüber hinaus handelt es sich um die bislang einzige Ofenanlage dieser Art im heutigen Oberfranken.

Um 1300 kam es zur Aufgabe des Handwerks und zum Abbruch der Ofenanlage. Dicke Planierschichten dieser Zeit führten zu einem deutlichen Niveauanstieg in diesem Bereich. Nachfolgend sind mindestens sieben Fußbodenhorizonte des 14. bis 16. Jahrhunderts nachgewiesen.

Auf dem Grundstück Hinterer Bach 5 ist es in Zusammenarbeit zwischen Archäologie, Bauforschung und historischer Forschung gelungen einen wichtigen und interessanten Beitrag zu Fragen der Besiedlungs- und Handwerksgeschichte des 10./11. bis 16. Jahrhunderts im Bereich zwischen Dom und Oberer Pfarre in Bamberg zu erbringen.

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