Bamberg, Kasernstraße 1, Palais Schrottenberg

Obwohl die Bodeneingriffe für einen Lastenaufzug im Innenhof des Palais Schrottenberg bereits genehmigt waren, konnte dank des Architekten Herrn Rosenberg, der seinerseits die Dokumentation der archäologischen Befunde anregte, eine einwöchige Notaufnahme durchgeführt werden. Der Aufzugschacht war bereits bis in eine Tiefe von etwa 3,5 m ausgehoben, so daß man sich leider mit der alleinigen Dokumentation der Profile und der Bergung datierbaren Materials aus diesen zufriedengeben mußte. Trotz ungünstigster Bedingungen – die Bauarbeiten im unmittelbaren Umfeld des Schachtes mußten weiterlaufen – erbrachte Untersuchung wichtige Befunde, welche in die früheste Geschichte Bambergs zurückreichen. Das geborgene und stratifizierte Fundmaterial ist so reichhaltig, daß die Datierung aller Horizonte gesichert ist. Die zahlreichen früh- und hochmittelalterlichen Befunde erwiesen sich als gänzlich ungestört. Aus Kosten- und Zeitgründen beschränkte man sich auf die Dokumentation der Profile. Demnach erfolgte die erste Begehung dieses Gebietes im Sand wohl in spätkarolingischer Zeit, im 9. Jahrhundert, auf einer von der Regnitz angeschwemmten Kiesschicht. Nach einer massiven Sandplanierung im frühen 10. Jahrhunderts schlägt sich die Trockenlegung des Gebietes durch den Bau der zu Beginn des 11. Jh. erstmals genannten Mühlen nieder. Ein erster direkter Siedlungsnachweis ist in der Anlage eines Grubenhauses zu sehen, welches einer immensen Brandkatastrophe zum Opfer fiel, die mit dem Dombrand 1081 in Verbindung gebracht werden kann. Die darüberliegenden größtenteils lehmigen und als Kulturschichten des 12. und 13. Jahrhunderts anzusprechenden Aufschüttungen zeugen von einer intensiven Aufsiedelung des Gebietes seit dieser Zeit, was möglicherweise mit der Errichtung eines Übergangs über die Regnitz bzw. einer Furt an dieser Stelle und der Niederlassung der Dominikaner einherging. Trotz der kurzen Ausgrabungszeit von nur einer Woche konnten im Fall des Palais Schrottenberg bedeutende Befunde gesichert werden, der Fundanfall muß sogar als hoch bezeichnet werden. Der Vergleich mit den Grabungen im „Deutschen Haus“ bringt erstaunliche Übereinstimmungen, sowohl in der zeitlichen Abfolge als auch in der Art der Befunde. Eine reguläre Voruntersuchung hätte jedoch in erheblich größerem Umfang zur Erforschung der frühesten Besiedelung der Sandstadt beigetragen.

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