Bamberg, Kloster Michaelsberg Umbau Bürgerspital

Durch die Verlegung einer Gasleitung im Bereich vor dem Nordflügel und im ehemaligen Wirtschaftshof der barocken Klosteranlage seit September 1997 wurden baubegleitende archäologische Untersuchungen notwendig.

Dabei konnte an der Nordseite ein Befestigungsgraben beobachtet werden, der parallel zum Hang in den anstehenden Keuper eingetieft wurde. Der vom heutigen Niveau aus 4 m tiefe Graben konnte auf einer Breite von etwa 6 m nachgewiesen werden, wobei lediglich die Hangseite und die Sohle des Grabens erfasst wurden. Die Verfüllung des Grabens entspricht derjenigen aus den ältesten Befunden im Plateaubereich des Berges und macht somit die Aufgabe des Grabens bei Gründung des Klosters 1015 wahrscheinlich. Der spätestens in ottonischer Zeit errichtete Befestigungsgraben ist möglicherweise unter dem Eindruck der Ungarnstürme errichtet worden. Der Fund weniger Putzfragmente im Graben setzt eine Massivbebauung auf dem Plateau spätestens im 10. Jahrhundert voraus.

Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wird nach der Verfüllung des Grabens eine sehr mächtige, etwa 3 m starke Mauer als Befestigung der Nordseite in die Grabensohle gestellt. Durch die extrem schlechten äußeren Bedingungen, unter welchen die Untersuchung ablaufen musste, konnte nur die hangwärts gerichtete Seite einigermaßen aufgenommen werden. Als Erbauer bzw. Initiator dieses Bauwerks kommt wohl nur Kaiser Heinrich II. in Betracht, der bei der Ausstattung des ersten Klosters – laut historischer Quellen – diesem als großzügiger Spender gegenübertrat. Der Graben wurde möglicherweise weiter westlich noch einmal angeschnitten. Unmittelbar darüber konnten die stark vergangenen Reste eines teilweise in die Verfüllung des Grabens eingetieften Holzbalkens von etwa 0,25 m Breite beobachtet werden; ob es sich dabei um ein Holzgebäude oder eine hölzerne Wasserleitung handelt, konnte anhand des geringen Ausschnittes nicht bestimmt werden.

Nach umfangreichen Planierungen wird über den bisherigen Befunden ein Holzgebäude errichtet, das in Zusammenhang mit einer um die Jahrtausendwende bzw. im frühen 11. Jahrhundert errichteten Glockengussanlage zu sehen ist, von welcher der Bronzeschmelzofen vollständig ausgegraben werden konnte. Der aus einer etwa 0,1 m starken Lehmwandung errichtete kreisrunde Ofen wies einen Durchmesser von etwa 0,7 m auf. Vergleicht man die Größe des Michaelsberger Ofens mit den bisher bekannten, sicher in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts zu setzenden Glocken, liegt deren Durchmesser meistens zwischen 30 und 40 cm.

Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um eine Glockengussanlage, in welcher wohl auch das Geläut der ersten Klosterkirche Bischof Eberhardts gegossen wurde. Es ist aber nicht auszuschließen, daß auch andere Kleingeräte wie Spangen, Schließen, Beschläge sowie Metallgefäße in dieser Werkstatt gegossen wurden.

Ohne großen zeitlichen Abstand wird darüber ein Steinbau des 11./12. Jahrhundert errichtet, wovon die nordwestliche Ecke und ein westlich daran anschließendes Wegpflaster aus sorgfältig gesetzten plattigen Sandsteinen dokumentiert werden konnte. Durch einen sorgfältig ausgeführten Durchlass in der Nordwand wurde eine hölzerne Wasserleitung gelegt, von welcher sich geringe Reste erhalten haben. Mit einiger Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem im Wirtschaftsbereich angesiedelten Bauwerk um eine Herberge bzw. ein Hospiz, das erst im Spätmittelalter, als im gesamten Kloster erhebliche Veränderungen und Umbauten stattfinden, abgebrochen wird.

Durch den Einbau eines Aufzuges im barocken Kreuzganggarten war es erstmals möglich, eine archäologische Untersuchung im Plateaubereich des Michaelsberges durchzuführen. Diese sollte in erster Linie Erkenntnisse zu Lage und Größe des hochmittelalterlichen Kreuzganges und der hier zu vermutenden Klausurgebäude erbringen. Von besonderem Interesse war ferner die Frage nach einer vorklosterzeitlichen Besiedlung des Bergplateaus im 9./10. Jahrhundert.

Im nördlichen Abschnitt der aufgedeckten Fläche gelang es neben wenigen flachen Gruben, mehrere Pfostenspuren zu dokumentieren, von welchen der größte Teil exakt in einer Flucht zueinander und parallel zur nördlichen Hangkante lagen. Die Holzkonstruktion wurde wohl beim Bau des ersten Kreuzganges im frühen 11. Jahrhunderts niedergelegt. In Verbindung mit dem am Nordhang festgestellten Hanggraben kann hier eine hangbegleitende Holzpalisade ottonischer Zeitstellung vermutet werden.

Unmittelbar nach Abbruch der Holzkonstruktion kam es im gesamten untersuchten Bereich zu Baumaßnahmen, die mit der Errichtung des ersten Kreuzganges von Kloster St. Michael um 1015 in Verbindung standen. Der Kreuzgang des 11. Jahrhunderts ließ sich durch seinen Nord- und Westflügels nachweisen.

Bereits im frühen 12. Jahrhundert kam es wiederum zu einschneidenden Baumaßnahmen, bei welchen der alte Kreuzgang niedergelegt und an gleicher Stelle ein größerer Neubau aufgeführt wurde. Der Abbruchschutt wurde überwiegend in den Innenbereich des alten Kreuzganges einplaniert. Hier konnten neben Keramikfunden zahlreiche Putzfragmente, Sandsteinquader, Eisenteile sowie Reste farbigen Fensterglases geborgen werden, die Hinweise auf die einstmalige Ausstattung der Anlage liefern. Die Baumaßnahmen dürften mit der urkundlich überlieferten Erweiterung des Konvents nach 1117 und dem von Bischof Otto d. Hl. betriebenen Anschluß des Michaelsberger Klosters an die Hirsauer Reformschule in Verbindung stehen.

Nach den Befunden zu urteilen waren beide romanischen Kreuzgänge des Klosters St. Michael nach Westen ca. 2,0 m schmaler und nach Norden gut 9,0 m kürzer als ihr barocker Nachfolger. Die Westausdehnung des ersten Kreuzganges gibt somit auch einen Hinweis auf die Größe der ersten Klosterkirche, bei deren Weihe im Jahr 1021 ein großer Teil des geistlichen und weltlichen Hochadels des Reiches anwesend war.

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