Bamberg, Letzengasse 5

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann der wohlhabende Bamberger Ratsherr Anton Mang mit der Errichtung der "Wachsbleiche" zwischen Königstraße, Letzen- und Tocklergasse. Dabei handelte es sich um eine Kombination von Stadtpalais mit Lustgarten und Manufaktur zur Herstellung des ausschließlich zu liturgischen Zwecken benötigten weißen Wachses. Durch den frühen Tod Mangs blieb das Projekt unvollendet. Im Zusammenhang mit der Sanierung der noch stehenden Pavillons der ehemaligen Wachsbleiche wurden archäologische Untersuchungen durchgeführt. In der Auffüllung für den bis heute erhaltenen Bretterboden des im 19. Jahrhundert zum Gärtnerhaus umgebauten Pavillons konnten die Putzreste einer abgeschlagen, ehemals gewölbten Barockdecke ausgegraben werden. Die überwiegend handtellergroßen Fragmente zeigen Architektur, teilweise maskierte Figuren, Musikinstrumente und Rankenmuster, häufig auf vergoldetem Grund oder in Gold angelegte Ornamente. Obwohl sehr viele Stücke aneinander passen, kann keine genaue Aussage über das vermutlich von Johann Anwander um 1750 gemalte Bildprogramm gemacht werden. Bemerkenswert ist der ausgezeichnete Erhaltungszustand der ursprünglichen Farbigkeit. Da zahlreiche Bruchstücke glatter weißer Putzflächen festgestellt werden konnten, ist zu vermuten, daß dieser Pavillon unvollendet blieb.

Die geborgenen Funde einer ausschließlich neuzeitlichen Grabung am Rande einer mittelalterlichen Stadt vermittelt einen Eindruck in die Lebensverhältnisse des gehobenen Milieus im barocken Bamberg.

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