Bamberg, Obere Brücke 3

Die archäologischen Ausgrabungen im Zusammenhang mit der Sanierung des Anwesens beleuchten neben Hinweisen zur Bebauung des Areals im späten Mittelalter bzw. in der frühen Neuzeit die Untersuchungen besonders die hochmittelalterlichen Verhältnisse. Das Hauptaugenmerk galt dem mächtigen, aus sehr großen Sandsteinquadern errichteten Brückenpfeiler, der zu einem Vorgänger der heutigen im Kern dem 15. Jahrhundert entstammenden „Oberen Brücke“ gehörte und in dem noch erhaltenen Gebäude des 16./17. Jahrhunderts integriert ist. Spätestens um die Mitte des 12. Jahrhunderts erfolgte die Errichtung des nach Norden halbkreisförmigen Strömungspfeiler auf einem eckigen Unterbau, dessen nordwestliche, flußabwärtsgerichtete Ecke aufgedeckt werden konnte. Die gute Stratigraphie erlaubt eine genaue Einordnung des Pfeilers. In den Schichten, die sowohl unter die Baugrube als auch die Quaderlagen des Brückenpfeilers ziehen, befand sich Keramik des späten 11. bzw. frühen 12. Jahrhunderts. Nach der Verfüllung der Baugrube und somit wohl nach der Fertigstellung des Sockels wurde in unmittelbarer Nähe zum Pfeiler eine Grube angelegt, welche die Baugrube schneidet. In dieser Grube fand sich eine große Menge hochmittelalterlicher Keramik, wovon die jüngsten Fragmente in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts zu datieren sind. Die Errichtung der Brücke muß daher spätestens um die Mitte des 12. Jahrhunderts erfolgt sein. Überdies konnten Beobachtungen zum hochmittelalterlichen Baubetrieb gemacht werden. Trotz des sehr kleinen Bereiches, der für eine archäologische Untersuchung zur Verfügung stand, konnte ein wesentlicher Beitrag zur hochmittelalterlichen Stadtgeschichte Bambergs geleistet werden. Wenn Tilmann Breuer 1990 in seinem Beitrag über die Brücken des linken Regnitzarmes (Kunstdenkmäler Bayern/Inselstadt Bamberg) nur Vermutungen anstellen kann, welche denn die am 22. November 1370 genannte „steinein brucken“ war, kann dies nun eindeutig beantwortet und darüber hinaus ihr Entstehungsdatum spätestens in die Mitte des 12. Jahrhunderts gesetzt werden. Ob sie nun als ein Werk Ottos des Heiligen anzusprechen oder im Zuge der Ostpolitik von einem seiner Nachfolger errichtet worden ist, muß weiterhin offenbleiben.

Dieser Beitrag wurde in Bayern, Mittelalter, Oberfranken, Siedlung, Stadtkern veröffentlicht und getaggt . Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen.