Bindlach, Lkr. Bayreuth, Allersdorfer Straße, Flur "Im Flürlein"

Einleitung

Für den Bau eines seit langem geplanten Hochwasserrückhaltebeckens der Gemeinde Bindlach wurde eine Fläche westlich der Verbindungsstraße Bindlach-Allersdorf ausgewählt. Sie liegt auf einem leicht nach Norden, Süden und Westen abfallenden Terrassenrücken, jenseits der Straße steigt der Rücken nach Osten an. Im Westen begrenzt ein landwirtschaftlicher Fahrweg die Fläche, an ihn schließt ein durch Kiesabbau künstlich erzeugter Geländeabbruch an.

Der Boden besteht aus Lösslehm über Muschelkalkgestein. Nach Angaben von Hr. Prof. Dr. Ludwig Zöller (Universität Bayreuth, Lehrstuhl Geomorphologie) handelt es sich um ein von Staunässe betroffenes Areal, das in vorgeschichtlicher Zeit wohl lange von Wald bedeckt war. Vor dem Erwerb des Geländes durch die Gemeinde zwecks Bauvorhaben wurde es landwirtschaftlich als Ackerland genutzt. Kurz vor Beginn der Arbeiten bestand der größere Teil aus Grünland, nur im Süden war Getreide angebaut worden.

Da von der geplanten Baufläche schon vorgeschichtliche bis neuzeitliche Lesefunde bekannt waren, wurden vorab Suchschnitte angelegt. Sie ergaben bereits erste vorgeschichtliche Befunde, so dass die Fläche vom 31.08.2010 bis 15.10.2010 archäologisch untersucht wurde.

Blick über die Grabungsfläche nach Westen
Blick über die Grabungsfläche nach Westen

Ergebnisse

Auffälligstes Merkmal aller Befunde war ihre geringe Tiefe, manche waren nur noch 6-8 cm tief erhalten und in keinem Fall wurden 40 cm erreicht. Grund dafür dürfte die frühere Nutzung des Areals als Ackerland sein. Dem Pflug und der daher stärker greifenden Bodenerosion, vermutlich noch erhöht durch die leichte Hanglage, dürften wohl einige flachgründige Befunde zum Opfer gefallen sein. Das würde erklären, weshalb zwar viele Pfostengruben aufgedeckt wurden, sie sich aber selten zu Strukturen zusammenfassen lassen. Eine weitere Schwierigkeit bestand im Erkennen von Befunden im Nordteil der Fläche, da sie sich hier kaum durch Farbveränderungen gegenüber dem natürlichen Boden abgrenzten. Ferner fanden sich vor allem am Westende der Fläche zahlreiche Baumwürfe und Tierbauten.

Die dokumentierten, auf menschliche Tätigkeit zurückgehenden Befunde befanden sich auf der höchstgelegenen Stelle, also im Nordosten des Areals. Die nördliche Begrenzung der vorgeschichtlichen Siedlungsfläche bildete ein Bach, der wohl auch öfter seinen Lauf veränderte wie dicke Sedimentschichten in den nördlichen Suchschnitten zeigten. Im Westen und Süden dürfte der leicht abfallende, von Staunässe betroffene Boden die Siedlungsgrenze gebildet haben, wie die in diese Richtungen ausdünnenden Befunde zeigen. In den westlichen und südwestlichen Suchschnitten fanden sich nur noch natürliche Befunde wie Tierbauten oder Baumwürfe. Auch am Ostrand konnten keine Befunde mehr dokumentiert werden.

Die Befunde zeigen ausnahmslos Siedlungstätigkeit an, Gräber wurden nicht entdeckt. Unter den Pfostengruben lassen sich die Befunde 67-69 und 45 zu einem W-O orientierten, einschiffigen Hausgrundriss zusammenfassen. Die übrigen Pfosten zeigen meist eine lineare Anordnung ohne allerdings funktional näher angesprochen werden zu können. So bilden die Befunde 46-49, 50-51, 16, 17, 21 und 22 (Grube mit Pfosten) eine SW-NO ausgerichtete Reihe mit unterschiedlichen Abständen zwischen den Pfosten. Westlich dieser Linie finden sich interessanterweise nur noch Gruben aber keine Pfosten. Zusammengehörig sind ferner die Pfostengruben 18, 52 und 53 (W-O Orientierung), die Pfostengruben 10-12 (W-O Orientierung), die Pfostenstellungen 58, 61, 62 und 64 (N-S Orientierung) sowie die N-S ausgerichteten Pfostenpaare 80-81 und 85 mit 86.

Im Fundmaterial auffällig ist das Fehlen von Knochen, was wohl auf ungünstige Erhaltungsbedingungen für Knochen zurückzuführen ist. Lediglich in einer Grube wurden noch minimale Reste eines Tierzahnes geborgen. Trotz dieser Tatsache kann davon ausgegangen werden, dass keine Gräber übersehen wurden, da weitere Kennzeichen wie sorgfältig deponierte Beigaben in grabähnlichen Gruben fehlen. Auch zeigen die einzigen, im Planum rechteckigen Gruben in ihren Profilen keinen ebenen Sohlenverlauf. Generell ist das Fundaufkommen eher bescheiden zu nennen. Das einzige geborgene Metall stammt aus einem neuzeitlichen Befund. Die meisten Funde entfallen auf Scherben von Tongefäßen und auf gebrannten bzw. verziegelten Lehm. Besonders zu erwähnen sind der einzige Spinnwirtel (Bef. 42), wenige Silexabschläge und nur in Fragmenten erhaltene pyramidenförmige Webgewichte.

In der Regel enthielten die Befunde nur wenig Fundmaterial. Ausnahmen sind die Gruben 82 und 83 mit Keramik und vor allem Grube 72 mit oft sekundär gebrannter Keramik, gebranntem Lehm und einigen Fragmenten pyramidenförmiger Webgewichte. Zum Fundgut aus Bef. 72 gehören auch längliche, im Querschnitt dreieckige Tonstücke, deren Längsseiten leicht eingezogen sind.

Befund 72
Befund 72

Bef. 8, eine längliche, N-S ausgerichtete Verfärbung, enthielt viel gebrannten Lehm, aber nur wenig Keramik.

Besonders hervorzuheben sind die Befunde 23 und 24. Hier wurde jeweils ein Gefäß so im Boden deponiert, dass keine umgebende Grube zu erkennen war. Die Gefäße waren leider sehr schlecht erhalten, die oberen Bereiche waren vom Pflug zerstört und der Rest nur in kleinen zusammengedrückten Scherben überliefert. Beide Befunde lagen südlich neben dem einzigen erkennbaren Hausgrundriss.

Befund 24
Befund 24

Nicht weit entfernt lag Bef. 15. In ihm fand sich ein dickwandiger Gefäßboden in einer holzkohlehaltigen Grubenfüllung. Der Gefäßboden selbst war mit gebranntem Lehm und Holzkohle gefüllt.

Befund 15
Befund 15

Ähnlich aufgebaut ist Bef. 42 mit einer Grube, in deren oberer Füllung wannenartig angeordnete Scherben eingelagert sind. In ihnen fanden sich zahlreiche Stück von gebranntem Lehm, dazu Keramik und der einzige Spinnwirtel.

Befund 42
Befund 42

Datierung

Die Lesefunde aus dem mittels Bagger abgetragenen Oberboden reichen von zwei wohl mesolithischen Silices über vorgeschichtliche und mittelalterliche Keramik bis in die Neuzeit.

Das keramische Fundspektrum aus den Befunden selbst zeigt jedoch nur einen Zeithorizont an. Sie datiert die Siedlung allgemein in die Eisenzeit. Die wenigen verzierten Wand- und Randscherben weisen auf die späte Hallstatt- und frühe Latènezeit hin. Da zudem auch keine Befundüberschneidungen zu erkennen waren, muss mit einer relativ kurzen Belegung dieser Stelle gerechnet werden. Grund dafür dürfte trotz des fruchtbaren Bodens und der Lage an einem aus historischer Zeit belegten, west-ost verlaufenden Fernweges die für Wohnbauten ungünstige Stelle sein. Wie oben schon erwähnt ist das untersuchte Areal von Staunässe betroffen. Bei heftigem Regen drückt das von den östlichen Hängen kommende Wasser in die Fläche und füllt jede Grube binnen kurzer Zeit wie die wenigen Regentage während der Grabung leider gezeigt haben. Da das Wasser nicht sofort abfließen kann, bleiben manche Stellen noch lange nass. Vor allem die westlichen Suchschnitte waren tagelang geflutet.

Bef. 70.
Bef. 70.

Die siedlungsgünstigen Flächen lagen wohl weiter hangaufwärts im Osten. Nach Auskunft von Hr. Kolb (Histor. Verein Bindlach) stammen von den dortigen Ackerflächen zahlreiche Lesefunde aus verschiedenen Epochen, vom Neolithikum an bis in jüngere Zeit.

Unter den Funden besonders hervorzuheben ist eine römische Wandscherbe aus der Oberfläche von Bef. 83. Da der Befund über die übrige Keramik in die Eisenzeit datiert, kann die Scherbe ursprünglich nicht zum Befund gehören. Möglicherweise wurde sie beim Abziehen des Oberbodens von der Baggerschaufel in die Befundoberfläche gedrückt. Diese Beobachtung konnte übrigens mehrfach beim maschinellen Oberbodenabtrag gemacht werden. Das besondere an dieser Scherbe ist neben ihrer Herkunft (römische Keramik im freien Germanien) auch ihre frühe Zeitstellung, nämlich die 1. Hälfte des 1. Jhs. n. Chr.

Römische Keramik aus der 1. Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr.
Römische Keramik aus der 1. Hälfte des 1. Jahrh. n. Chr.

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