Ebrach, Lkr. Bamberg, Ehemaliges Zisterzienserkloster

Das Kloster wurde 1127 durch den Ministerialen Berno von Ebrach an der Stelle seines Stammsitzes unter Mithilfe Konrads III. gestiftet, dessen Frau Gertrud und deren Sohn Friedrich von Rothenburg in Ebrach begraben liegen. Als eine der ältesten Zisterziensergründungen Deutschlands und die älteste Bayerns wurde die Abtei von Morimond aus besiedelt. Während der jahrelangen Sanierung ergab sich mehrfach die Notwendigkeit, die Bodeneingriffe sowohl im Mittelschiff als auch im südlichen Seitenschiff archäologisch zu begleiten.

Unter dem heutigen Plattenbelag, der zur Ausstattung von Materno Bossi von 1778 gehört, konnten mindestens 6 weitere Böden anhand deren Mörtelbettungen bzw. Rollierungen nachgewiesen werden.

Ein einheitlicher Bauhorizont mit Steinrollierung und teilweise aufliegendem Mörtelestrich etwa 0,7 m unter dem heutigen Belag kann als erstes Bodenniveau angesehen werden. Eine quadratische Ornamentfliese mit Viertelsrond und Mittelstab aus dem Bauschutt stellt einen Hinweis auf die Bodengestaltung des 13. Jahrhunderts dar.

In Höhe des fünften Bündelpfeilers wurde ein fast vollständig erhaltenes Würfelkapitell aus Sandstein und mehrere dazugehörige Architekturteile aufgedeckt. In seiner letzten Lage diente es wohl als Fundament für eine eiserne Abschrankung, welche an dieser Stelle für das 17. Jahrhundert überliefert ist. Bei dem derzeitigen Stand der Forschung müßte das Kapitell anhand stilistischer Merkmale in die zweite Hälfte des 12. Jahrhundert datiert werden. Berücksichtigt man die historische Bedeutung der Anlage, darf man das Kapitell möglicherweise als richtungsweisend einstufen und der ersten Anlage zuordnen.

Aufgrund seiner Dimensionen (0,6 x 0,6 x 0,5 m) kann es Rückschlüsse auf die Gesamtgröße des ersten Baus zulassen. Vergleichbare Kapitelle etwas späterer Zeitstellung finden sich an den Langhaus- oder Vierungspfeilern heute noch erhaltener Bauten anderer Reformorden.

Mit der Entdeckung der Seitenapsis des Gründungsbaus von 1134 im südlichen Seitenschiff und dem dazu gefundenen Kapitell können nun erste Aussagen über Größe und Aussehen der Anlage getroffen werden.

In einem großen Schnitt im Bereich des Chorgestühls, konnten unter den schon bekannten Fußböden, die nochmals bestätigt wurden, die verschiedenen Bauhorizonte der heute stehenden Kirche dokumentiert werden. Dabei konnte eindeutig bewiesen werden, daß erst nach der Errichtung des heutigen Chores die alte Kirche abgebrochen wurde, um das heute stehende Langhaus zu errichten. Im Bauschutt zwischen diesen Bauhorizonten, der zweifelsfrei vom Abbruch der ersten Kirche stammt, konnten wieder zahlreiche Ziegelfragmente gefunden werden, die zur Dachdeckung von Bau 1 gehören. Mehrere Bestattungen eines Friedhofes unter diesen Horizonten sind der ersten Kirche des 12. Jahrhunderts zuzuordnen und durchschlagen einen unmittelbar auf dem anstehenden Boden liegenden Bauhorizont, bestehend aus vorwiegend unvollendeten bzw. bei der Herstellung zerbrochenen Sandsteinquadern, welcher der ersten Klosterkirche zuzuordnen ist.

Im ehemaligen Kreuzgang, südlich des heutigen Kirchenbaus, wurden drei weitere Schnitte angelegt die der Lokalisierung der ersten Klosterkirche dienen sollten. Unter einer mächtigen Planierung des 17./18. Jahrhunderts konnte ein Steinpflaster aufgedeckt werden, welches dem späten Mittelalter bzw. der Renaissance zugeordnet werden kann. Mehrere Mauern, die bereits im Bestandsplan des späten 17. Jahrhunderts von Dientzenhofer erscheinen, sind wohl spätmittelalterlichen Ursprungs.

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