Forchheim-Burk, Trassenbereich der geplanten Ortsumfahrung B 470

Lage der Fundstelle

Burk, heute zur Stadt Forchheim gehörend, liegt westlich der Regnitz genau gegenüber der alten Pfalzstadt Forchheim. Anlässlich des Baus einer Umgehungsstraße, die die Autobahnabfahrt Forchheim-Süd mit der B 470 verbinden wird, wurde etwa mittig zwischen den Orten Hausen und Burk in West-Ost Richtung eine neue Straßentrasse angelegt. Da vom zukünftigen Straßenabschnitt westlich der Kreisstraße FO 13, die südlich von Burk von der B 470 in Richtung Hausen abzweigt, bereits Lesefunde der Urnenfelderzeit bekannt waren, wurden Bau vorgreifend archäologische Untersuchungen eingeleitet. Sie dauerten vom 10. Januar bis 04. Mai 2011. Ihnen folgte, bedingt durch eine überraschende Umplanung im Straßenverlauf, eine Bau begleitende Untersuchung vom 23. bis 27. Mai 2011.

Die Fundstelle liegt auf einem leicht nach Norden abfallenden Hang, der sanft in eine eiszeitliche Flussterrasse übergeht. Der Boden besteht aus einem sandigen Untergrund mit relativ dünner Humusauflage, darunter befindet sich Keupersandstein. Vor Baubeginn war das Areal zum kleinen Teil bewaldet, der größere Teil war Ackerland.

Ergebnis

Insgesamt wurden 291 Befunde dokumentiert. Es handelte sich um Gruben und Pfostengruben, die noch auf einer Tiefe zwischen 4 – 50 cm erhalten waren. Lediglich an einer Stelle, auf die später noch eingegangen wird, fanden sich bis zu 1 m tiefe Befunde.

Die Gründe für die geringen Befundtiefen liegen in der früheren landwirtschaftlichen Nutzung des Areals verbunden mit einer Hanglage und der daher stärker greifenden Bodenerosion.

Die Befunde erstreckten sich über die gesamte Untersuchungsfläche, doch lassen sich auf dem Plan Bereiche mit deutlichen Befundkonzentrationen, vor allem im nördlichen Abschnitt der Fläche erkennen. Diese Konzentrationen sind jeweils durch schmale, Befund freie Streifen voneinander abgetrennt. Die Mehrheit der Befunde war homogen mit graubraunem Sand verfüllt, sie enthielt kaum Beimengungen wie feine Holzkohle oder gebrannten Lehm. Manche Befunde mit heller Verfüllung waren nur schwer zu erkennen, da sie sich vom umgebenden anstehenden Boden farblich kaum unterschieden.

Das Fundmaterial besteht meist aus Keramik, gelegentlich auch aus gebranntem Lehm, Stein- oder Metallartefakte sind selten. Knochen blieben im Sandboden in der Regel nicht erhalten, bei den wenigen Ausnahmen handelt es sich um kleine kalzinierte Fragmente.

Bei den dokumentierten Befunden handelt es sich fast ausnahmslos um Gruben bzw. Pfostengruben, also um Überreste prähistorischer Siedlungen. Lediglich zwei Befunde können möglicherweise anders interpretiert werden: bei Bef. 91 handelt es sich um zwei in einer Grube deponierte Gefäße, die leider sehr schlecht erhalten waren, bei Bef. 215 um eine fast fundleere Grube, die nur auf der Sohle deponierte Gefäßfragmente mit einem Drahtring enthielt. Da in beiden Fällen aber keinerlei kalzinierte Knochenfragmente nachgewiesen werden konnten, muss es vorläufig bei einer Interpretation als intentionelle Deponierungen bleiben, auch wenn die Möglichkeit von Brandgräbern bei den schlechten Erhaltungsbedingungen für Knochen nicht ganz ausgeschlossen werden kann.

Bef. 91.
Bef. 91.
Bef. 215.
Bef. 215.

Siedlungsgrenzen ließen sich keine erkennen, auffallend ist nur das Ausdünnen der Befunde nach Süden und Norden. Wie der Vermessungsplan zeigt erstreckte sich die Siedlung ursprünglich weiter nach Osten und vor allem nach Westen. Bei zukünftigen Bodeneingriffen in den an die untersuchte Fläche anschließenden Bereichen sind daher vorab archäologische Ausgrabungen notwendig.

An der Westseite der Fläche, mit einem Ausläufer nach Osten, zeigte sich nach Abtrag des Oberbodens eine dunkelbraune Kultur- oder Schwemmschicht (Bef. 106, 112 u. 243). Die Ablagerung dieser Schicht muss bereits in vorgeschichtlicher Zeit erfolgt sein, da sie nur prähistorische Scherben enthielt und zudem von manchen Befunden geschnitten wurde (Bef. 121, 134).

Von den Befunden können leider nur wenige zu Einheiten zusammengefasst werden, so etwa die Nummern 165, 166, 217, 218, 246 und 250 sowie 113, 132, 142, und 148 bis 150, die sich zu zwei Nord-Süd orientierten, benachbarten Häusern rekonstruieren lassen. Ihnen können eventuell die Befunde 122, 155, 164, 167 und 168 angeschlossen werden, auch sie sind möglicherweise als Hinweis eines einstigen 6-Pfostenbaus gleicher Ausrichtung zu werten. Zu diesen drei nahe beieinander liegenden Häusern gehören eventuell die zu 4-Pfosten-Speichern ergänzbaren Befunde 259, 263, 273 und 274 sowie 264 bis 267. Weiter im Norden liegen die Befunde 61, 62, 64-66 und 77, die ebenfalls einen Nord-Süd orientierten 6-Pfosten-Bau ergeben. Unter den übrigen Befunden lassen sich noch andere lineare Anordnungen erkennen, ohne diese jedoch funktional näher ansprechen zu können.

In Befund 40 liegt möglicherweise der Rest eines etwa 4 x 3 m großen Grubenhauses vor, die erhaltene Tiefe betrug noch ca. 20 cm.

Den interessantesten Hausgrundriss bildete Befund 173, eine im Umriss unregelmäßige große Verfärbung, die Keramik der SLT-Zeit enthielt. Zu diesem Haus gehören auch die Befunde 186 bis 192, sie bezeichnen die zugehörigen Pfosten und Pfostengruben. Besonders eindrucksvoll sind hier die Befunde 186 mit 187, bei ihnen handelt es sich mit knapp 1 m um die tiefsten Befunde im gesamten Areal. Sie sind Teil einer für die SLT-Zeit typischen, annähernd quadratischen Hausform, deren Kennzeichen unter anderem vier Pfosten in großen rechteckigen Gruben sind. Unter günstigen Erhaltungsbedingungen ließe sich zudem ein umlaufendes Gräbchen nebst zwei Eingängen nachweisen.

Bef. 173, 186 und 187.
Bef. 173, 186 und 187.

Die dokumentierten Befunde lassen sich zwei verschiedenen Zeithorizonten zuweisen. Die überwiegende Mehrheit gehört, wie die Lesefunde schon angedeutet haben, in die späte Urnenfelderzeit. In diese Zeitstufe gehören wohl die Nord-Süd ausgerichteten Hausgrundrisse mit den Vier-Pfosten-Bauten. Überraschend war jedoch der oben beschriebene Hausbefund 173 mit 186 bis 192 und die Befunde 100, 104, 152, 178, 211 und 217, sie gehören nach Ausweis ihrer Funde (Graphittonkeramik und andere Keramik mit Kammstrich, Kolbenränder) in die Spätlatène-Zeit bzw. Eggers A, also in die 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus. Von zwei Befunden abgesehen lagen sie nahe beieinander im südlichen Bereich der untersuchten Fläche.

Die Kleinfunde bestehen zum größten Teil aus meist unverzierter Siedlungskeramik. Unter den verzierten Scherben hervorzuheben sind einige Fragmente von „Attinger Ware“ der Urnenfelderzeit sowie mit Kammstrich verzierte Scherben der SLT-Zeit.

Besonders erwähnenswert ist ein kleines pyramidenförmiges Webgewicht von ca. 2 cm Höhe aus Befund 78, das zusammen mit viel feiner Keramik und wenigen kleinen kalzinierten Knochensplittern gefunden wurde. Möglicherweise kann dieser Befund mit seinem kleinen Spielzeugwebgewicht als Brandgrab angesprochen werden, doch reicht die Menge der kalzinierten Knochen trotz schlechter Erhaltungsbedingungen (Sandboden) kaum für eine Brandbestattung aus.

Zu den wenigen Gegenständen aus Metall gehören Eisenobjekte aus den spätlatènezeitlichen Befunden, ferner eine bronzene Pfeilspitze (Bef. 137) und ein kleiner Silber(?)drahtring aus Bef. 215.

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