Eggolsheim - Neuses, Lkr. Forchheim
Objekt: FWO-Trasse
 
 
  Zeitraum/Dauer: 28. Mai 1996 bis 28. August 1996  
 
  Fragestellung: Siedlungsgünstige Niederterasse an der Regnitz  
 
  Auftraggeber: FernWasserversorgung Oberfranken, Kronach  
 
  Wissenschafliche Betreuung: Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege/Außenstelle f. Oberfranken, 96117 Memmelsdorf/Schloß Seehof  
 
  Örtliche Grabungsleitung: Günther Regele, Claus Vetterling  
 
  Ergebnisse/Besonderheiten:

Funde und Befunde aus der Urnenfelderzeit, der Karolingerzeit und dem Spätmittelalter. Die Fernwasserversorgung löste die ersten großflächigen archäologischen Untersuchungen im Vorfeld eines sogenannten linearen Großprojektes in Oberfranken aus. Die neue Trasse durchschneidet das Regnitztal vom mittelfränkischen Hüttendorf bis Pödeldorf, Lkr. Bamberg, auf einer Breite von bis zu 18 m. Die Fernwasserversorgung Oberfranken erkannte die Vorteile einer bauvorgreifenden "Räumung" des Baufeldes für den Bauträger einerseits und bekannte sich andererseits zur Verantwortung eines Bauträgers der öffentlichen Hand für das kulturelle Erbe dieser Region. Dabei wurde im Bereich der Fernwasserleitung südlich von Neuses a. d. Regnitz ein Teil einer frühmittelurnenfelderzeitlichen Siedlung mit Gruben, Pfostenlöchern und auch Pflugspuren angeschnitten, die zahlreiche Keramikscherben und das Bruchstück eines Mondidols erbrachte.

Während es sich bei einem kleinen karolingischen Topf um ein Einzelstück handelt, wurde südlich von Neuses eine wüstgefallene Hofstelle des frühen 14. Jh. entdeckt. In einer zugehörigen Abfallgrube fanden sich neben vollständig erhaltenen Keramikgefäßen etwa 20 Münzen, zahlreiche Werkzeuge aus Metall und Bruchstücke von Fensterglas sowie Spinnwirtel, Wetzsteine, Schmuckanhänger, Riemenschließen, Pilgerzeichen. Im Fundkomplex sind einfache henkellose Töpfe lokaler Produktion zahlenmäßig am stärksten vertreten. In der Regel waren diese Gefäße aus mittel bis grob gemagertem, oxidierend hellgelb bis rötlich gebranntem Ton. Die Gefäße sind ausnahmslos unglasiert. Teilweise dunkle Färbung und Schmauchspuren auf der Außenseite rührt vom Gebrauch am offenen Feuer. Außer diesen Koch- und Vorratsgefäßen umfaßt das Formenspektrum auch Schank- und Trinkgefäße. Neben in Oberfranken eher seltenen Flaschen und Vierpaßbechern konnte auch ein kleiner Fünfpaßbecher, möglicherweise eine Nürnberger Arbeit als Imitation von Metallgefäßen, geborgen werden. Eine erstaunliche Vielfalt zeigen auch die Warenarten. Bruchstücke Siegburger Steinzeugs, gelbtoniger, rotbemalter Feinware und manganvioleter Ware aus Süddeutschland sowie schwarzer, geglätteter Keramik, vermutlich aus Böhmen, stehen neben mit roter Engobe bemalter helltoniger Keramik vom Lußberg bei Baunach nördlich von Bamberg.

Das Inventar der Abfallgrube spiegelt einen überraschend hohen Lebensstandard der Hofbewohner bzw. ihrer Gäste wider, so daß es sich möglicherweise um einen bei Neuses vermuteten Wirtschaftshof des Bamberger Bischofs handeln könnte.
 
 
  Literatur: Archäologisches Jahr in Bayern 1997 (1998), 177ff. Ausgrabungen und Funde in Oberfranken 10, 1995 - 1996, Geschichte am Obermain Jahrbuch Colloquium Historicum Wirsbergense 21, 1997/98, 20.