Bamberg (Ve)
Objekt: Obere Königstraße 8/10
 
 
  Zeitraum/Dauer: 1995/96  
 
  Fragestellung: Deutsches Haus  
 
  Auftraggeber: Diözesanbauamt Bamberg  
 
  Wissenschafliche Betreuung: Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege/Außenstelle f. Oberfranken, 96117 Memmelsdorf/Schloß Seehof  
 
  Örtliche Grabungsleitung: Claus Vetterling  
 
  Ergebnisse/Besonderheiten:

Die stark gebogene Königstraße, der ehemalige Steinweg, erreicht gegenüber der "Altstadt" ihren geringsten Abstand und verläuft in diesem Bereich fast parallel zum östlichen Ufer des rechten Regnitzarmes. Man nahm bisher an, daß sie mit dem Bau der erstmals 1312 genannten Seesbrücke, aber kaum vor dem 12. Jahrhundert aufgesiedelt wurde, obwohl hier die Handelsstraße zu suchen ist, die schon in karolingischer Zeit von Bardowiek über Hallstadt und Forchheim nach Regensburg führte. Sieht man von kleineren Notuntersuchungen ab, blieb der Bereich rechts der Regnitz von der archäologischen Forschung weitgehend unberücksichtigt. Die 1995/96 durchgeführte Grabung im ehemaligen Hotel "Deutsches Haus" bot die einmalige Gelegenheit, eines der wenigen nicht unterkellerten Grundstücke im Randbereich der Altstadt archäologisch zu untersuchen. Die Ausgrabung wurde vollständig von der katholischen Kirche als Bauträger finanziert und in vorbildlicher Weise unterstützt. Unter dem Abbruchschutt des 1817 abgebrannten Gasthauses "Zum Einhorn" und den Planierschichten des danach errichteten Hotels sowie den zu erwartenden spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Befunden überraschte eine lückenlose Stratigraphie bis in die Zeit vor der Bistumsgründung (Abb.). Die älteste nachweisbare Bebauung stellt ein Schwellenbau dar, welcher auf einer Planierung über dem anstehenden Sand errichtet wurde. Stark verkohlte Holzreste und Bruchstücke verziegelten Lehmverputzes mit Geflechtabdrücken in der darüberliegenden Brandschicht weisen auf einen Fachwerkbau hin, welcher der vergesellschafteten Keramik nach spätestens im 10. Jahrhundert einem Brand zum Opfer fiel. Mit der Errichtung eines Steingebäudes im späten 11. bzw. frühen 12. Jahrhunderts wurde die Gebäudeausrichtung wieder aufgegriffen. Erst nachdem 1817 das Gasthaus zum Einhorn und das benachbarte Gebäude, das den Ausgrabungen zufolge bis ins 16. Jahrhundert als Schmiede genutzt wurde, abbrennt und man Mitte des 19. Jahrhunderts anstelle der beiden Gebäude das Hotel "Deutsches Haus" errichtet, wurde die Parzellengrenze, die seit Errichtung des Holzgebäudes im frühen Mittelalter bestand, geändert. Zahlreiche Importstücke im Fundgut des 10.-12. Jahrhunderts, wie beispielsweise Pingsdorfer Keramik aus dem Rheinland (Abb.), eine hölzerne Uferbefestigung als ältester Befund der Grabung 1994 im Hofbereich und die Anbindung an den Fernhandelsweg wirft die Frage auf, ob es sich bei dieser ersten Bebauung nicht um einen Hafen gehandelt haben kann. Seit April 1998 wurden im Hofbereich die Grabungen wieder aufgenommen, welche unter den neuzeitlichen Nutzungshorizonten eine flächige Bebauung aus der Zeit der Bistumsgründung zu Tage bringen. Zahlreiche Funde aus der Verfüllung eines um 1900 aufgegebenen barocken Abwasserkanals spiegeln die Verhältnisse eines Hotelbaus aus dem gehobenen Milieu des späten 19. Jahrhunderts wieder.

Eine an der Peripherie der mittelalterlichen Stadt begonnene Routine - Notuntersuchung entwickelte sich zu einer entscheidenden Ausgrabung für die Entstehungsgeschichte Bambergs. Die Ausgrabung hat gezeigt, daß bisherige Baumaßnahmen im Straßenbereich, so beispielsweise Kabel- und Kanaltrassen, die hier wesentlich tiefer liegenden, maßgeblichen Befunde nicht zerstörten. Bei größeren Bauvorhaben, wie der bereits angelaufenen Kanalsanierung, ist jedoch mit deren Zerstörung zu rechnen und der Baufortgang unbedingt archäologisch zu begleiten.

 
 
  Literatur: Archäologisches Jahr in Bayern 1995 (1996) 163 - 165. - Ausgrabungen und Funde in Oberfranken 10, 1995 - 1996, Geschichte am Obermain Jahrbuch Colloquium Historicum Wirsbergense 21, 1997/1998.