Haßfurt, Lkr. Haßberge, Hauptstraße 33

Das Wohnhaus mit Halbwalmdach steht in Haßfurt, Hauptstraße 33 an der Ecke zur Brückenstraße und stammt in seiner jetzigen Form wohl aus dem 18. Jahrhundert, wobei ein älterer Bau 1615(d) erweitert wurde. Dieser ältere Bau hatte wohl auch einen Keller und stammt aus dem Jahr 1336(d).

Von diesem Keller mussten die ersten beiden Meter für den Erdgeschossumbau entfernt werden.

In der Haßfurter Altstadt konnten bei bauvorgreifenden archäologischen Untersuchungen immer wieder Einblicke in die mittelalterliche Vergangenheit der Stadt gewonnen werden.

Ergebnisse

Augenfälligster Befund waren die Mauerzüge Befunde 2 und 3 mit dem Kellergewölbe Befund 4. In einem Abstand von ca. 6 m laufen die Mauerzüge aus Muschelkalkbruch parallel, wobei die Mauern leicht von Südost nach Nordwest ausgerichtet sind. Während im Osten Mauer Befund 2 nach ca. 1,38 m von der etwa gleichstarken Mauer Befund 3 abgelöst wird, erscheint im Westen die Mauer Befund 3 deutlich stärker als Mauer Befund 2. Nach 50 cm im Osten bzw. 65 cm im Westen bildet die Mauer Befund 3 den Abschluss des Kellers nach Norden.

Während man sowohl im Westen als auch im Osten zwischen den Mauern Befund 2 und 3 jeweils ein deutliche Baunaht erkennen kann, fehlt jeglicher Bruch im Tonnengewölbe Befund 4. Dies legt die Vermutung nahe, dass der ursprüngliche Keller (Mauern Befund 2) mit der Mauer Befund 3 erweitert wurde und dabei auch das Tonnengewölbe Befund 4 eingebracht wurde.

Abbildung 1 (Digitalbild 56): Gesamte Grabungs-Fläche mit Gewölbe Befund 4 im Vordergrund. Hinten links Treppenwange Befund 15 und hinten rechts der Estrich Befund 1. Am rechten Bildrand Kanal Befund 5.
Abbildung 1 (Digitalbild 56): Gesamte Grabungs-Fläche mit Gewölbe Befund 4 im Vordergrund. Hinten links Treppenwange Befund 15 und hinten rechts der Estrich Befund 1. Am rechten Bildrand Kanal Befund 5.
Abbildung 2 (Digitalbild 25): Planum 1 im Bereich von Befund 10 und 13. In der oberen Bildhälfte sind die Mauern Befund 2 und 3 mit der Baufuge zu sehen.
Abbildung 2 (Digitalbild 25): Planum 1 im Bereich von Befund 10 und 13. In der oberen Bildhälfte sind die Mauern Befund 2 und 3 mit der Baufuge zu sehen.

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde wohl der Treppenabgang Befund 15 und 16 westlich des Kellers gebaut. Die Treppenwange Befund 16 liegt auf Mauer Befund 2 auf und die Baugrube der Treppenanlage scheint auch den Estrich Befund 1 zu schneiden (siehe Digitalaufnahme 52). Ein in die Treppenwange Befund 15 eingemauertes grün glasiertes Randstück lässt eine Erbauung frühestens im 16. Jahrhundert (2. Hälfte 16. Jahrhundert) vermuten.

Der Estrich Befund 1 ist auf alle Fälle jünger als die Mauer Befund 3, da er in einem Teilbereich über dieser liegt.

Abbildung 3 (Digitalbild 43): Treppenwange Befund 15 und Treppenstufen Befund 16
Abbildung 3 (Digitalbild 43): Treppenwange Befund 15 und Treppenstufen Befund 16

Etwa mittig des Gewölbes setzt ein nachträglich an den Keller angeschlossener Kanal oder horizontaler Schacht an und läuft noch ca. 2 m Richtung Norden (Befund 5), wo er dann modern mit Backsteinen zugemauert ist. Die Kanalwangen bestehen aus dünnen Wänden aus Muschelkalkbruch mit vereinzelten Backsteinbrocken und einer dünnen Kalkputzschicht. Der Kanalboden wurde wohl aus einem Kalkestrich gegossen mit einem Gefälle von Nord nach Süd.

Abbildung 4 (Digitalbild 49): Kanal/Schacht Befund 5
Abbildung 4 (Digitalbild 49): Kanal/Schacht Befund 5

Nördlich des Kellers konnte im anstehenden Boden eine Pfostengrube mit Pfostenloch dokumentiert werden, in deren unmittelbarer Umgebung mittelalterliche – vielleicht sogar hochmittelalterliche Keramik (12. Jahrhundert) gefunden werden konnte. Weitere Verfärbungen (Befunde 6 und 7) stellten sich bei genauerer Betrachtung als letzte Reste der „Kulturschicht“ Befund 13/20 dar.

Im westlichen Bereich der Untersuchungsfläche, nördlich des Kellers, lag unter dem Estrich Befund 1 und auf dem „Laufhorizont“ Befund 29 eine unvermörtelte Steinsetzung aus drei Schichten eher plattiger Muschelkalksteine unterschiedlicher Größe, aber mit relativ gleicher Stärke (Befund 14).

Abbildung 5 (Digitalbild 42): Profil 2 mit der Steinsetzung Befund 14 und dem Laufhorizont Befund 29 unter der Steinsetzung.
Abbildung 5 (Digitalbild 42): Profil 2 mit der Steinsetzung Befund 14 und dem Laufhorizont Befund 29 unter der Steinsetzung.

Die Befunde 10, 11 und 12 wurden nicht weiter abgetieft bzw. geschnitten, da sie unter der bauseitig benötigten Tiefe lagen.

Als erste nachweisbare Siedlungsspur an dieser Stelle ist wohl die Pfostengrube 8 mit dem Pfostenloch 17 zu werten.

Laut dendrochronologischer Untersuchungen stammt ein älterer Bau und wohl auch der Keller von 1336. Der ältere Bau wurde 1615(d) erweitert. Diese Erweiterung betraf scheinbar auch den Keller und lässt sich auch archäologisch im Baubefund (Baufuge zwischen den Mauern Befund 2 und 3) nachweisen. Nach der Erweiterung scheint zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert der Treppenabgang auf der Westseite des Kellers in Gebrauch gewesen zu sein. Zumindest stammt die aufgefundene Keramik aus dem Fugenmörtel der Treppenwange und aus der Treppenverfüllung aus dem Zeitraum zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Bei der Gestaltung des heute stehenden Gebäudes wurde der Kellerabgang überflüssig und zugeschüttet. Dafür wurde nördlich des Kellers der Kanal Befund 5 mit unbekannter Funktion gebaut und in moderner Zeit als Schacht für Versorgungsleitungen genutzt.

Dieser Beitrag wurde in Bayern, Neuzeit, Siedlung, Stadtkern, Unterfranken veröffentlicht und getaggt , , , , . Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Sowohl Kommentare als auch Trackbacks sind geschlossen.