Hofstetten, Schloß Hofstetten

Entwicklung eines Wehrbaus vom hohen Mittelalter bis in die späte Neuzeit. Es gibt bei der archäologischen Untersuchung des Schlosses Hofstetten leider einige Vorgaben, die den Erkenntnisgewinn erschweren. So wurden zum Beispiel bereits in den frühen achtziger Jahren sämtliche Schichtanschlüsse an den Kernburgbereich bei einer Drainagemaßnahme auf fast einem Meter Breite zerstört. Die moderne Sanierungsbaustelle beseitigte ebenfalls nahezu alle Schichtanschlüsse von Innen an die Ringmauer und räumte zudem noch die Innenräume der drei Eckbastionen aus. Auch die aufmerksam über die Jahre geborgene Keramik ist leider komplett unstratifiziert und kann bestenfalls einen Querschnitt über die vorhandenen Warenarten während des langen Nutzungszeitraumes der Burg bieten.

Hinzu kamen die alltäglichen Einschränkungen einer Untersuchung, die nicht das Glück hat, als Forschungsgrabung angelegt zu sein, nämlich die zeitliche und finanzielle Begrenzung und in diesem Falle noch die Festlegung auf die bauseitig bereits angelegten Bodenöffnungen und Eingriffstiefen. Einige der Punkte wurden allerdings durch die idealen klimatischen Bedingungen und die Aufgeschlossenheit, sowie das immense Entgegenkommen des Bau- und Burgherren kompensiert.

Dies vorrausschickend ist die Komplexität der gewonnenen Ergebnisse mehr als erfreulich. Dies mag zum Teil sicher auch daran liegen, dass es sich um die erste wirkliche, archäologische Untersuchung des Objektes handelte und sich die bisherigen Bodeneingriffe glücklicherweise kaum in die Fläche erstreckten. Im folgenden sollen die Ergebnisse und aus ihnen resultierende Schlussfolgerungen in chronologischer Abfolge zusammenfassend vorgestellt werden.

Der älteste Phase der Anlage wird im 11./12. Jh. in einer Motte oder einem kleinen Turmhügel in einer natürlichen Niederung zu suchen sein. Möglicherweise enthält der Bergfried Strukturen dieser ältesten Bauphase. Die Burginsel war künstlich überhöht, doch ein großer Pallas oder ein Mauerbering ist eher unwahrscheinlich. Ob der Zugang über eine Brücke oder bereits über einen bewehrten Damm erfolgte ist unklar.

Die Ringmauer wurde im 13./14. Jahrhundert hinzugefügt und die Niederung in einen regelrechten, breiten Graben umgestaltet, Hofstetten wurde zur Wasserburg. Ein Rest der zweifelsohne vorhandenen Innenbebauung könnte bereits in dem früher dokumentierten Mauerwinkel in der Nordostecke der rezenten Gebäude erfasst worden sein. Zu einer lockeren Innenbebauung gesellte sich eine funktionale Randhausbebauung im Süden der Anlage und möglicherweise ein zweiter Turm auf der Südwestecke des Berings. Die beiden Türme sicherten den Zugang zur Kernburg, der durch die schmale Tür zwischen ihnen erfolgte und hervorragend zu verteidigen war. Durch das erzwungene mehrfache Abbiegen des Zugangsweges war ein direktes, schwungvolles Berennen der Tür ausgeschlossen. Diese Bebauungssituation bestand durch das 14./15. Jh. nahezu unverändert.

Im 15./16. Jh. wurde die Bebauung der nördlichen Kernburg zu einem kompakten Bauwerk mit Turmanschluss vergrößert. Die durch die Neubauten überflüssig gewordene Randhausbebauung wurde einplaniert und die Zugangssituation geändert.

Die schriftlich belegten Verbesserungen an den Verteidigungswerken die Wilhelm von Reichenau 1466 a.D. durchführen ließ, könnten darüber hinaus in der Umwandlung Hofstettens in ein sogenanntes Bastioniertes Schloss bestanden haben. Als Zierelement und Grabenwehr wurden der Ringmauer eckständige Halbtürmchen angefügt. Damit war im wesentlichen der heutige Baubestand ausgeformt und alle weiteren Umbauten archäologisch nicht mehr allzu relevant.

Die Umgestaltung in ein barockes Jagdschloss im Jahre 1691-1694 a.D. wird wohl in einem teilweisen Rückbau der wehrhaften Zugangssituation und Veränderungen der Fenster, sowie der Innenarchitektur bestanden haben, um die Anlage gefälliger zu machen und ihre mittelalterliche Schwere und Trutzigkeit aufzuweichen.

Als der Baumeister „Babieri“ 1750 a.D. laut Schriftquellen eine Brücke über den Wassergraben schlug, wurde allem Anschein nach nur der bestehende Damm mit einer Mauer verblendet, die möglicherweise durch Scheinarchitektur wie Bögen etc. Brückencharakter bekam.

Im gleichen Jahr wurde der Stadel in ortstypischer Jurabauweise errichtet. Da an seiner Stelle keinerlei Vorgängerbebauung beobachtet werden konnte, muss der Baubestand und sogar die genaue Lage und Ausdehnung des Vorburgbereiches vorerst im Dunkeln bleiben.

Zur Genese einer hochmittelalterlichen Burg wie hier geschildert gehören natürlich noch zahlreiche Bereiche die in diesem Falle ausgespart werden mussten. Sicherlich ist aufgrund der schmalen Datengrundlage der hier gewagte Entwurf weit von jeglicher Unanfechtbarkeit entfernt, zumal ein Grabungsbericht keine entgültige Bearbeitung sein kann.

Das Beispiel Hofstetten macht jedoch Mut, da es zeigt, wie viel Aussagen selbst aus kleineren Untersuchungen resultieren können und wie viele archäologische Quellen selbst bei intensiver Nutzung und Bautätigkeit die Zeiten überdauern. Gerade die kleinen Anlagen sind es, die ein Schattendasein neben den Prestigeobjekten der Denkmalpflege führen und die leider allzu oft unbeobachtet ihrer Geschichte beraubt werden. Dabei liegt genau hier ein sehr großer Nachholbedarf, der wie in Hofstetten zu sehen war, mit verhältnismäßig wenig Aufwand in Angriff genommen werden kann.

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