Ingolstadt, Mauthstrasse 10

Trotz hochgesteckter und berechtigter Erwartungen blieb in diesem Falle die erhoffte Befunddichte aus, doch konnte das umfangreiche und hochwertige Fundinventar der barocken Latrinen ein wenig dafür entschädigen. Die Rahmenbedingungen für eine ertragreiche archäologische Untersuchung waren, bedingt durch die Aufgeschlossenheit des Bauherren und die reibungslose Zusammenarbeit mit der Baufirma optimal, doch lässt sich nicht untersuchen, was nicht da ist.

Genaugenommen sind jedoch auch die Aussagen die aufgrund der zugegeben geringen Datenbasis getroffen werden können von einiger Wichtigkeit für die mittelalterliche Stadttopographie Ingolstadts. So läßt sich zum Beispiel das mittelalterliche Laufniveau um den Herzogskasten annähernd auf der heutigen Oberfläche lokalisieren. Die Stratigraphie zeigt uns, das wahrscheinlich absichtlich die überschwemmungssichere Kiesterrasse als Bauplatz gewählt wurde. Auch konnte die Wasserversorgung der herzoglichen Residenz ermittelt werden, indem der zugehörige Brunnen erfasst und untersucht wurde.

Die Frage nach dem Verlauf der ersten Stadtmauer hat neue Impulse erhalten und die freie Rekonstruktion einer Befestigung um den Herzogskasten ist, jedenfalls für die Westseite in den Bereich der Forschungsgeschichte verwiesen worden.

Die frühneuzeitlichen Funde und Befunde erlauben einen Einblick in die Sozialstruktur der barocken Stadt oder doch wenigsten die Momentaufnahme des Besitzstandes einer Familie des 17./18. Jahrhunderts, die sich vielleicht durch die Hinzuziehung der Archivalien noch vertiefen lässt.

Der Verlust von Daten und Funden im direkten Umgriff des Herzogskastens bei seiner Sanierung gibt schließlich wenigstens der archäologischen Denkmalpflege ein weiteres Argument für die Notwendigkeit archäologischer Untersuchung oder Baubegleitung bei Eingriffen in historische Strukturen in die Hand.

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