München, Augustinerstraße 1

Einleitung

Am Rande innerhalb der hochmittelalterlichen Stadtbefestigung und zum Teil auch direkt auf dem hochmittelalterlichen Stadtgraben liegen die bisher teilweise nicht unterkellerten Gebäude der Augustinerstraße 1 und Frauenplatz 2 mit den Flurnummern 10, 12 und 12/2. Es ragen auch Teile (Abortturm) des westlich liegenden ehemaligen Augustinerklosters in den Bereich des Grundstückes Augustinerstraße 1.

Daher bot das bevorstehende Bauvorhaben im Bereich des Anwesens Augustinerstraße 1 / Frauenplatz 2 in München Gelegenheit und Notwendigkeit, den Baumaßnahmen vorgreifend Sondierungen durch die Bodendenkmalpflege und auch Untersuchungen und Befundsicherung durch die Bauforschung durchzuführen. Die Maßnahmen wurden an 21 Arbeitstagen vom 15. März bis 26. Mai 2010 ausgeführt. Die Finanzierung erfolgte vollständig durch die Münchner Bank eG, Richard Strauss Straße 82, 81679 München.

Mit der Ausführung wurde das Büro für Archäologie ReVe, Bamberg unter der örtlichen Leitung von Günther Regele M.A. betraut. Die Bauforschung erfolgte durch Andreas Poost, Regensburg.

Die bauvorgreifenden Sondagen sollten zunächst – wenn möglich – Einblicke in die noch vorhandenen Kulturschichten und die historische Bausubstanz ermöglichen. Eine flächige Grabung ist nach den Abbrucharbeiten geplant.

Durch eine gute Zusammenarbeit mit allen am Projekt beteiligten Parteien konnten wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, wofür allen ein herzlicher Dank gebührt.

Ergebnisse

Schnitt 1

Etwa mittig im Kellerraum wurde zwischen der Süd- und Nordmauer Schnitt 1 angelegt, Profil 1 entspricht der Nordwand.

Durch den ganzen Schnitt verläuft in SW-NO Richtung ein im Querschnitt eiförmiger(s) Kanal/Gerinne (Bef. 1), an dessen West- und Ostseite ein Ziegelfußboden (Bef. 3) anschließt. Dieser ist zum Gerinne hin leicht abfallend angelegt. Die Westseite des Schnitts bildet eine parallel zum Gerinne verlaufende Ziegelwand (Bef. 2), die beim Einbau des heutigen Betonfußbodens in ihrem oberen Bereich abgetragen wurde. Östlich des Gerinnes fand sich noch Verfüllmaterial (Bef. 4-6), allerdings konnte hier aus Platz- und Sicherheitsgründen nicht auf die gleiche Höhe wie westlich des Kanals abgetieft werden. An einer Stelle fand sich zwischen Gerinne und der Ziegelwand eine kleine, nur vier Reihen hohe Ziegelmauer (Bef. 7).

Profil 1, das fortschreitend angelegt und dokumentiert wurde, zeigt im Querschnitt den Aufbau des Gerinnes:

Die Bogenkonstruktion besteht aus zwei fächerartigen Ziegelreihen, die bis zum Ziegelboden (Bef. 3) reichen. Die West- und Ostmauern des Gerinnes sind unterhalb des Bodens (Bef. 3) in unregelmäßiger Läufer- und Bindertechnik errichtet. Das Fundament der Westmauer besteht aus Beton, der sich blockartig bis unter die Ziegelmauer (Bef. 2) zieht. Auch die Sohle des Gerinnes besteht wohl aus Beton, was zusammen mit dem modernen Ziegelgewölbe auf eine Ertüchtigung bzw. Erneuerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinweist.

Der Kanalboden wie auch der untere Abschnitt der Ostmauer konnten aus sicherheitstechnischen Gründen nicht komplett untersucht werden. Der untere östliche Mauerabschnitt konnte aus statischen Gründen nicht geschnitten werden.

Das Gerinne, das in seinem Verlauf dem ehemaligen Stadtbach entspricht, wurde an dieser Stelle in der jetzigen Form etwa um 1900 erbaut. Der in Profil 1 erkennbare Stahlträger mit aufliegender Ziegelmauer datiert in das Jahr 1915, der Errichtung des Gebäudes. Die beim Einbau des Stahlträgers und des Fußbodens im oberen Bereich teilweise abgetragene Mauer Bef. 2 ist demnach älter; da ihr Mörtel aber nicht mit dem des Kanals übereinstimmt und der Kanalverputz stellenweise über den mit der Mauer verbundenen Ziegelfußboden Bef. 3 reicht, könnte die Mauer auch schon zu Baumaßnahmen Mitte des 19. Jahrhunderts gehören.

Das Gerinne ist an der Grundstückgrenze nach Süden hin abgemauert. Nach Norden steigt die Verfüllung mit Betonschlämme an, so daß dies hier nicht zu beurteilen ist.

Abb. 1: Schnitt durch das Gerinne (Profil 1). Blick etwa von Süd nach Nord.
Abb. 1: Schnitt durch das Gerinne (Profil 1). Blick etwa von Süd nach Nord.
Abb. 2: Schnitt durch das Gerinne (Profil 1). Blick von Südost nach Nordwest.
Abb. 2: Schnitt durch das Gerinne (Profil 1). Blick von Südost nach Nordwest.
Abb. 3: Blick in das Gerinne ab Profil 1 in Richtung Süden: Deutlich erkennbar das Backsteingewölbe aus relativ modernen Backsteinen. Die untere Hälfte des Gerinnes besteht aus Beton. Auf der gesamten einsehbaren Strecke war das Gerinne etwa 40 cm hoch mit Betonschlämme aufgefüllt.
Abb. 3: Blick in das Gerinne ab Profil 1 in Richtung Süden: Deutlich erkennbar das Backsteingewölbe aus relativ modernen Backsteinen. Die untere Hälfte des Gerinnes besteht aus Beton. Auf der gesamten einsehbaren Strecke war das Gerinne etwa 40 cm hoch mit Betonschlämme aufgefüllt.

Schnitt 2

In einem weiter nördlich gelegenen Kellerraum wurde von der Süd- zur Nordwand Schnitt 2 angelegt. Profil 2 entspricht der Nordwand.

Der südliche Abschnitt der Fläche wird von einem durchgehenden Betonblock eingenommen. Nördlich anschließend fanden sich mittig im westlichen Bereich Reste einer west-ost orientierten Backsteinmauer (Bef. 20), Beton und Verfüllungen. Den östlichen Bereich nimmt die Wölbung des Gerinnes (Bef. 1) ein. Aus statischen Gründen konnte der Kanal nicht durchtrennt und das Profil tiefer gelegt werden, so dass mit Profil 2 notgedrungen nur die Oberseite des Kanals dokumentiert wurde. Der Raum zwischen Kanal und Kellerfußboden war ursprünglich mit Bauschutt verfüllt.

Abb. 4: Schnitt 2, Blick von West nach Ost.
Abb. 4: Schnitt 2, Blick von West nach Ost.

Schnitt 3

Der in einem tiefer gelegenen Kellerraum gelegene Schnitt 3 konnte nicht in der geplanten Weise durchgeführt werden, da unter dem Ziegelboden ein massiver Betonboden zum Vorschein kam. Er wird daher erst im Zug der Abbrucharbeiten untersucht werden können.

Abb. 5: Schnitt 3, Blick von Ost nach West.
Abb. 5: Schnitt 3, Blick von Ost nach West.

Zusammenfassung

Es konnten Lage, Verlauf und Aufbau des Gerinnes um 1900 auf diesem Grundstück dokumentiert werden. Hinweise auf ältere Bausubstanz und Kulturschichten konnten nicht gefunden werden. Aus technischen Gründen konnten allerdings auch nicht alle geplanten Sondagen angelegt werden.

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