München, Frauenplatz – Frauenkirche

Nicht archäologische Forschung, sondern statische Untersuchung war Anlass und Ziel dieser Maßnahme an einem der prominentesten Bauwerke der bayrischen Hauptstadt. Die archäologische Begleitung diente dem Aufräumen und „entsorgen“ der Funde die bei dem Anlegen der notwendigen Fundamentschürfen anfielen und doch konnten interessante Aspekte der barocken Bestattungssitten dokumentiert werden.

Angesichts des Fundgutes drängt sich hier die Frage auf, wie es dazu kommt, bei der überwiegenden Anzahl der Bestattungen zwar Schuhschnallen vorzufinden aber keinerlei sonstige Trachtbestandteile wie Knöpfe, Gürtelschnallen, Nieten oder weltlicher Schmuck. Es entsteht der Eindruck, die Bestatteten seien einerseits lediglich mit Leichentüchern und Totenhemden bekleidet gewesen, hätten aber andererseits reguläres Schuhwerk getragen.

Sicherlich wird auch die geplante, noch ausstehende anthropologische Untersuchung weitere interessante Details zu Sterbealter, Körpergrößen, Verletzungen und allgemeinem Gesundheitszustand der Münchner Stadtbevölkerung des 17./18. Jahrhunderts erbringen. Diese Daten können nicht zuletzt über die teilweise sehr hochwertigen religiösen Beigaben in einen Bezug zu der gesellschaftlichen Stellung der Bestatteten gesetzt werden.

Nach einer eingehenderen Betrachtung im Anschluss an die Fundreinigung und Restaurierung ist es sicher möglich den Beigaben selbst noch weitere Details zu entlocken. So fällt zum Beispiel auf, dass gut die Hälfte der erkennbaren Medaillons keine Mariendarstellungen tragen, sondern ein Bildnis der heiligen Anna, der Mutter Marias.

Die aufgedeckten Baubefunde im Bereich der Domfundamente sprechen für sich und zeigen die erwartete hohe Qualität und Massivität. Auch die Tatsache, dass gewissermaßen aus der Baugrube heraus zu den Rändern hin, das heißt ohne äußeren Arbeitsraum, gearbeitet wurde, entspricht bekannten Gepflogenheiten.

Ein völlig neuer Aspekt war hingegen der Verlauf und die Ausgestaltung des mittelalterlichen Stadtbaches und die daraus resultierenden Rückschlüsse auf das städtische Geländerelief im 13. und 14. Jahrhundert.

Die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen und Gewerke in Verbindung mit der hohen Effizienz der gut durchgeplanten Maßnahme hat erneut gezeigt, wie viele Informationen auch aus kleinen Eingriffen mit zunächst anderen Fragestellungen gewonnen werden können, nicht zuletzt auch in ansonsten dicht bebauten Innenstädten.

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