Neunkirchen am Brand, Lkr. Forchheim, Gräfenberger Straße

Ausgelöst durch den Neubau des kath. Pfarrzentrums im östlichen Bereich des ehemaligen Chorherrenstifts St. Augustinus wurden direkt an der alten Stadtmauer zwei mit Bauschutt verfüllt Keller unterschiedlicher Größe angeschnitten, die im weiteren Verlauf der Grabung komplett dokumentiert werden konnten.

Sowohl Raum 1, als auch der etwas kleinere Raum 2 waren aus sauber bearbeiteten Sandsteinquadern gemauert. Der Boden bestand aus großformatigen Sandsteinplatten, die allerdings im westlichen Bereich des Kellers 1 große Schäden aufwiesen. Zum Teil war der Boden großflächig mit einer Art Mörtel "geflickt". In der Mitte des Raumes befand sich ein etwa 10 cm tiefer Schacht, der durch eine Nordsüd verlaufende Rinne gespeist wurde. Diese Rinne nahm ihren Ursprung in der Nordwand des Raumes. Abgeleitet wurde das Wasser durch ein modern anmutendes Kanalrohr, durch dessen Einbau ein Teil der Schäden im Plattenboden herrührt. Im Kanalgraben dieses Rohres fand sich neuzeitliche Keramik.

Sehr gut erhalten war der Sandsteinplattenboden in Raum 2. In diesen war nachträglich eine Rinne eingeschlagen worden, die vom Hausbrunnen in der Nordwestecke auf einen Durchfluß in der Südmauer führte und mit der Rinne in Keller 1 verbunden war. Bereits beim Bau geplant war die Wasserrinne direkt an der Ost- und Nordwand, die durch Holzbretter abgedeckt war, wie Nuten an den Sandsteinplatten andeuten. Diese Rinne führte zum Hausbrunnen, der zusätzlich durch ein Holzrohr aus Nadelholz versorgt wurde. In der Baugrube des Rohres fand sich Keramik des 16. Jahrhunderts. In der Südwestecke des Hausbrunnens befanden sich noch Reste eines hölzernen Steigrohres.

Aufgrund des Keramikmaterials und der Stratigraphie scheint eine Datierung des Raumes 1 in das Spätmittelalter bzw. 15. Jahrhundert angebracht, wobei Raum 2 etwas älter sein dürfte. Eine mögliche Interpretation wäre die Deutung als Kellerräume für das bischöfliche Amtshaus, welches an dieser Stelle stand und 1561 abgerissen wurde. Als Erbauungszeit wäre die 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts anzunehmen. Südwestlich der Kellerräume befand sich ein Ostwest verlaufender Kanal, der aus Staken und an den Seiten längsliegender Hölzer gebildet wurde. Vermutlich bildet der Kanal einen Teil der Wasserversorgung des Stiftes und wurde im 16./17. Jahrhundert – möglicherweise nach Aufhebung des Stiftes 1555 – aufgegeben.

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