Villach, Kärnten, Bamberger Burg

Wie bei mittelalterarchäologischen Untersuchungen üblich, besteht die überwiegende Masse der Funde auch in der Villacher Burg aus Keramik. Da sie von der Bauzeit der Burganlage bis in die Neuzeit reichlich vorhanden ist, läßt sich die Entwicklung, vor allem für die Frühzeit, anhand des stratifizierten Materials verläßlich aufzeigen und eine relative Chronologie erarbeiten. Weder die vorhandenen schriftlichen Quellen noch baugeschichtliche Untersuchungen können eine Antwort auf Fragen zur Baugeschichte, vor allem zum Zeitpunkt der Errichtung der ältesten Burganlage geben, so dass hier nur die Keramik weiterhelfen kann. Eine ganze Reihe von Arbeiten hat inzwischen gezeigt, dass trotz gewisser regionaler Eigenheiten die „süddeutsche Keramikentwicklung“ vor allem in den östlichen Regionen vergleichbar ist.

Burg Villach von Osten
Burg Villach von Osten

Da zahlreiche absolut zu datierende Importstücke im Fundgut des 16. Jahrhunderts die relative Chronologie bestätigen, kann eine der nordostbayerischen nahezu identische Keramikentwicklung vorausgesetzt werden. So stützen sich alle bisher genannten Datierungen auf diese Entwicklung. Den Hauptteil der gefundenen Keramik bildet die hochmittelalterliche Keramik, vorwiegend des 11. und 12. Jahrhunderts. Es handelt sich dabei durchwegs um unglasierte, poröse Irdenware. Die Gefäße besitzen alle einen Standboden mit Quellrand, gelegentlich finden sich einfache Bodenmarken. Herstellungstechnisch überwiegen die frühen Entwicklungsstufen der handgeformten, aufgewülsteten und der partiell im Mündungsbereich nachgedrehten Gefäße. Den Endpunkt der Entwicklung stellen die auf der schnellaufenden Drehscheibe gefertigten Gefäße des 13. Jahrhunderts mit entwickelten Randformen dar. Das fast vollständige Fehlen der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Keramik im Innenhof der Burg liegen in den tiefgreifenden Veränderungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begründet.

Durch die Vorlage des sehr umfangreichen, größtenteils stratifizierten Materials, es dürfte sich etwa um 10 000 Artefakte handeln, besteht erstmals die Möglichkeit, eine Basis für die Erforschung mittelalterlicher Keramik in Kärnten zu schaffen.

Die Errichtung der ältesten Burganlage erfolgt im 11. Jahrhundert, wohl noch in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Möglicherweise wurde nach der kaiserlichen Schenkung Villachs an das Bistum Bamberg 1007 ohne größere Verzögerung mit den Baumaßnahmen begonnen. Zur ersten Burg gehörte neben der an mehreren Stellen nachgewiesenen bzw. erschlossenen mächtigen Umwehrung bereits der Palas an der Stelle des heutigen Nordflügels, ein freistehender polygonaler Turm sowie verschiedene an die Wehrmauer angelehnte Holzgebäude mit Schwellbalken auf einem Steinsockel. Ein Kalkbrennofen in der Südostecke der Anlage versorgte die Baustelle von Beginn an mit Kalk, zahlreiche Eisenschlacken belegen auch die zeitweise Nutzung des Ofens als Schmiedefeuer. Ob der unmittelbar anschließende Brunnen bereits im 11. Jahrhundert bestand, kann beim derzeitigen Stand der Kenntnisse nicht beantwortet werden.

Für das 12. Jahrhundert konnten in den durchgeführten Schnitten keine wesentlichen Veränderungen nachgewiesen werden. Ein durchgängiges, verhältnismäßig mächtiges Hofniveau in den Schnitten S1 und S9 belegt die intensive Nutzung der Anlage in diesem Jahrhundert. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert erhält die Burganlage im Kern bereits ihre heutige Gestalt. Ob dazu eine teilweise Zerstörung oder allein beengte Verhältnisse den Ausschlag gaben, entzieht sich derzeit unserer Kenntnis. Durch die Eingliederung der Burg in die Stadtmauer stand die fortifikatorische Funktion nicht mehr im Vordergrund. Mit Ausnahme des Nordflügels wurde die gesamte Anlage zwiebelschalenartig erweitert, der ursprüngliche Bering des 11. Jahrhunderts begrenzte ab nun den Innenhof. Während die Schichten der folgenden Jahrhunderte im Innenhof durch die urkundlich überlieferten, schwerwiegenden Baumaßnahmen seit 1832 vollständig entfernt wurden, darunter auch die Reste des polygonalen Turms, konnte im Außenbereich das Bestehen des Westportals spätestens seit der Zeit um 1600 und die damit verbundene Verfüllung des Stadtgrabens nachgewiesen werden. Anhand der außerordentlich qualitätvollen Funde kann ein wesentlicher Beitrag zur Alltagskultur der Oberklasse im ausgehenden Mittelalter geleistet werden. Neben der einfachen, meist glasierten Gebrauchskeramik sind vor allem chinesisches Porzellan, Fayencen und sog. Sgraffito – Keramik aus Italien und venezianisches Glas zu nennen. Unter den Tierknochen und -abfällen finden sich Bären- und zahlreiche Vogelknochen, Fischgräten und -schuppen sowie zahllose Austernschalen. Letztendlich konnte der archäologische Nachweis erbracht werden, dass die dem Südflügel vorgelagerten Arkaden ebenfalls während der Umbauten Nageles ab 1832 auf den Fundamenten mittelalterlicher Vorgänger errichtet wurden.

osmanische Fayence (16. Jhd.)
osmanische Fayence (16. Jhd.)

Bei den Ausgrabungen gelang es, umfangreiche Siedlungs- und Baubefunde des 11. bis 13. Jahrhunderts zu dokumentieren, die weitreichende Aussagen zur baulichen Entwicklung der ehemaligen Burganlage möglich machen. Die Baubefunde und das umfangreiche Fundmaterial des 11./12. Jahrhunderts legen ein eindrucksvolles Zeugnis von der Bedeutung der Bamberger Burg in Villach bereits kurz nach 1000 ab. Zugleich werfen die archäologischen Ergebnisse interessante Fragen zur Markt- und Stadtentwicklung Villachs auf.

Wandmalerei (15. Jhd.)
Wandmalerei (15. Jhd.)

Sollte sich die Stadt Villach dazu entschließen, ein historisches Hofniveau wiederherzustellen, bleibt sehr zu hoffen, dass dann die Möglichkeit weiterer archäologischer Untersuchungen besteht, um genauere Aussagen zu Größe und Konzeption dieser Anlage treffen zu können. Bei der enormen Bedeutung der Anlage für Villach und Kärnten im hohen Mittelalter sollten wesentliche Fragen zur ursprünglichen Torsituation, Lage der ältesten Kapelle und zur Wasserversorgung unbedingt berücksichtigt werden.

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