Zeuzleben – Werneck, Lkr. Schweinfurt, Neubaugebiet Sonnenhügel

Auf einer Fläche von ca. 1 Hektar konnten Funde und Befunde einer relativ kurzphasigen Siedlung der jüngeren Urnenfelderzeit aufgedeckt werden.

Die Ausweisung eines Wohnbaugebietes im Bereich einer durch Lesefunde im Ackerland angezeigten urnenfelderzeitlichen Siedlung machte bauvorgreifende Sondierung erforderlich. Das ursprünglich 2 ha große Baugebiet wurde nach den Sondierungen des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege von der planenden Kommune auf die Hälfte reduziert, um die notwendige Ausweisung von Bauland mit den denkmalpflegerischen Belangen hinsichtlich der Erhaltung zumindest von Teilen des Bodendenkmals zu verbinden und damit letztlich auch die Kosten einer notwendigen Rettungsgrabung zu senken.

Die Siedlung der Urnenfelderzeit lag am Oberhang des nach Süden abfallenden Talrandes der Wern auf geologisch sehr uneinheitlichem Untergrund mit teilweise massiven Keuperfelsbänken, deren Verwitterungszonen, homogenen Tonschichten und Resten von Lößlehmlinsen. Auf dem leicht abschüssigen Gelände war durch Erosion die ehemalige Siedlungsoberfläche bereits vollständig abgetragen, so dass sich nur noch die unteren Teile von Pfosten- und Abfallgruben erhalten haben. Diese kamen ohne nennenswerte Übergangsschicht direkt unter dem Pflughorizont zutage. Auffälligerweise waren im Bereich von Keuperbänken nur wenige, teilweise aber tief in den Fels eingeschlagene Befunde zu beobachten. Auf reinen Tonflächen konnten keine Befunde festgestellt werden. Offensichtlich wurden diese Areale bereits früher gemieden.

Ist im südlichen Bayern die Untersuchung ausgedehnter vorgeschichtlicher Siedlungsflächen keine Besonderheit, waren in Nordbayern bislang größere Flächengrabungen in offenen Siedlungen eher eine Ausnahme. So stellt die Untersuchung in Zeuzleben für Mainfranken die erste planmäßige Flächengrabung in einer urnenfelderzeitlichen Siedlung dar, wenngleich zahlreiche Plätze dieser Zeitstellung, gerade in den fruchtbaren Lößgebieten des Maindreiecks vorliegen. Entsprechend sind auch bislang Siedlungsstrukturen und -keramik der Urnenfelderzeit in Mainfranken noch weitgehend unbekannt. Die Ergebnisse der Grabung können besonders durch den Umstand, dass hier ein größerer Ausschnitt einer relativ kurzphasigen Siedlung aufgedeckt worden ist, deren Befunde weder durch ältere noch durch jüngere Siedlungsaktivitäten verunklart sind, erste Aufschlüsse erbringen. Entsprechend der auch durch das Fundmaterial belegten kurzen Siedlungsdauer ist die Befunddichte relativ gering. Überschneidungen von Baustrukturen waren selten, aber klar auszumachen. Zwar sind kaum Gebäudegrundrisse vollständig erhalten. doch lassen sich, ausgehend von den regelhaften Abständen der Pfostenstellungen sowie der einheitlichen. leicht von der Nordsüd – Orientierung abweichenden Ausrichtung gesicherter Grundrisse, weitere Gebäudestandorte annähernd erschließen. Es handelt sich bei den Häusern überwiegend um zweischiffige etwa 5 x 10 m große Bauten sowie um sog. Vierpfostenspeicher. Innerhalb des Siedlungsgeländes zeichneten sich weiterhin Reste schmaler Zaungräbchen ab. Unter Vorbehalt großer erosionsbedingter Lücken lassen sich neben einer rechteckigen Anlage am Nordrand der Grabungsfläche auch weiträumig gebogene Zaunstrukturen ausmachen bei denen es sich wohl auch um zeitlich unterschiedliche Umfriedungen handeln dürfte. Derartige Strukturen waren bislang aus Nordbayern unbekannt.

Wie bereits erwähnt, zeigt das keramische Fundmaterial in Form und Machart ein außerordentlich gleichförmiges Bild. Verzierungen sind selten und beschränken sich auf einfache Tupfen- und Einstichreihen. Graphitierung fehlt fast vollständig. Bei den Gefäßformen machen konische Schalen und Näpfe den Hauptanteil aus. Knickwandschalen liegen nur vereinzelt vor. Eine zweite feinkeramische Gruppe bilden bauchige Trichterrandtöpfe unterschiedlicher Größe, gelegentlich mit einer Rille im Randknick oder einer Kerbenreihe auf der Schulter versehen. Bei der Grobkeramik herrschen Trichterrandtöpfe aus grob gemagertem, porösem, oft schwach gebranntem Ton mit Tupfen, Dellen und Kerben im Randknick und auf der Schulter vor. Kleine Vorratsgefäße mit gerieftem Halsfeld und ausgelegtem Rand kommen ebenso selten vor wie kleine Henkelgefäße. Unterrepräsentiert sind auch Reste von üblicherweise in Siedlungen zahlreich vorhandenen großen Vorratsgefäßen mit getupftem oder gekerbtem Trichterrand. Das so umrissene, ausschließlich aus Pfostenlöchern und Gruben stammende Material vermittelt einen repräsentativen Querschnitt der Siedlungskeramik in Mainfranken zu Beginn der jüngeren Urnenfelderzeit (Stufe Ha Bl). M. Hoppe.

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